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/ Mai 2001: rechtsextreme Drohbriefe ans
Literaturhaus
Von: Gerhard Ruiss <gr@literaturhaus.at>
An: tra@literaturhaus.at
Betreff: Rechtsextreme Drohbriefe an uns oder "nur Spinnerei"?
Datum: Die, 22. Mai 2001 18:08 Uhr
Rechtsextreme Einschüchterungsversuche oder “nur Spinnerei³?
Mitarbeiter der IG Autorinnen Autoren und des Literaturhauses und der
Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren von rechtsextremen
Briefeschreiber/n bedroht
Zum zweiten Mal innerhalb von 14 Tagen haben Mitarbeiter der IG
Autorinnen Autoren und des Literaturhauses Briefe mit
rechtsextremistischem Inhalt und Drohungen erhalten.
Als Absender dieser Drohbriefe wurde der Generalintendant des ORF,
Gerhard Weis, angegeben, als Absenderadresse dient ein hotmail.com-Fach.
Wer der tatsächliche Absender dieser rechtsextremen Drohbriefe ist, ist
durch die freie Zugänglichkeit von hotmail.com-Adressen für die IG
Autorinnen Autoren nicht oder allenfalls nur durch die Einschaltung
staatlicher Behörden zu eruieren.
Das Vertrauen der IG Autorinnen Autoren in die demokratische
Öffentlichkeit ist jedenfalls größer als u.a. in dem zuletzt gezeigten
Willen der leitenden Stellen staatlicher Behörden, rechtsextremen
Bedrohungen zu begegnen, weshalb wir uns zunächst an die für uns
erreichbare Öffentlichkeit wenden und sowohl um Kenntnisnahme als auch
um Hinweise ersuchen, wer sich hinter der Adresse
„gerhardweisorf@hotmail.com“
und den Briefen vom 9. Mai 2001 an u.a.
„ust@literaturhaus.at“ von
0.17 Uhr
und vom 21. Mai 2001 an u.a.
„gr@literaturhaus.at“ von
18.59.04 Uhr und
„us@literaturhaus.at“ von
22.03.37 Uhr
verbergen könnte.
Da der zweite Drohbrief vom 21. Mai an die namentlich erkennbar nicht in
Österreich geborenen Mitarbeiter der IG Autorinnen Autoren und den für
ihre Beschäftigung zuständigen Geschäftsführer sowie an die
Mitarbeiterin in der Exilbibliothek des Literaturhauses gerichtet worden
ist und darin die eindeutige Schlußaufforderung enthalten ist, daß diese
Mitarbeiter, im Originalwortlaut “diese Verbrecher" und der
Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren als „ihr Helfer“ nach
Auschwitz gehören, fühlen sich diese konkret angesprochenen Mitarbeiter
ernsthaft bedroht.
Zwar hat auch schon das erste an zahlreiche Mitarbeiter im Literaturhaus
ergangene und gegen die Institution als Ganzes gerichtete Drohschreiben
Empörung und Besorgnis ausgelöst, doch konnte es mit einer am selben
Abend ausschnittweise in der Sendung “ZIB 2“ gesendeten
Gedenkveranstaltung zu Erich Fried noch mit einem vorangegangenen
Ereignis in einen, um nichts weniger üblen und besorgniserregenden,
allgemeinen antisemitischen und ausländerfeindlichen
Beschimpfungszusammenhang gebracht werden. Der jetzige Drohbrief hat
keinen solchen auf einen unmittelbaren Anlaß verweisenden Hintergrund
und nimmt, anders als die erste auf die Institution “Literaturhaus“
insgesamt bezogene Beschimpfung, einzelne Mitarbeiter ins Visier und
bedroht sie persönlich.
Weder die IG Autorinnen Autoren oder einzelne ihrer Mitarbeiter oder
auch der Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren haben in der ganzen
30jährigen Geschichte des Bestehens der IG Autorinnen Autoren je
ähnliche Drohungen erhalten. Weshalb sie sie jetzt erhalten, ist für sie
nur aus politischen Machtverhältnissen, die eher Verständnis für
rassistische Ausritte als ihre Abscheu darüber zum Ausdruck bringen,
erklärlich.
Wir können nicht darauf warten, daß sich dieser rechtsextreme
Drohbriefschreiber wieder beruhigt, wir können auch nicht annehmen, daß
es sich bei konkreten persönlichen Bedrohungen um einen „harmlosen
Spinner“ und um „harmlose Spinnereien“ handelt, wir können nicht wissen,
ob sich jemand vom Schlage eines Briefbomben verschickenden Einzeltäters
wie Franz Fuchs dahinter verbirgt, wir können nicht abschätzen, ob es
dabei „nur“ um folgenlose Ankündigungen oder um Ankündigungen mit Folgen
geht, wir können nicht sagen, ob ein einzelner oder eine Gruppe von
Personen dafür verantwortlich zeichnet, und wir können schon gar nicht
darauf warten, daß dieser Drohbriefschreiber sich in einem nächsten
Schritt vielleicht selbst in die Lage eines Konzentrationslagerleiters
versetzt, um den von ihm bedrohten Personen die gewünschte “Reise ohne
Rückreise zu schenken“, sondern sind, schon im Sicherheitsinteresse
unserer Mitarbeiter/innen, dazu angehalten, den Verfasser dieser
Drohbriefe ernst zu nehmen und möglichst umgehend in Erfahrung zu
bringen, von wem und von wo aus diese Drohbriefe an uns gerichtet worden
sind.
Wir ersuchen daher nicht nur um Kenntnisnahme, Weitergabe,
Veröffentlichung, sondern auch um Ihnen mögliche Hilfestellungen, die
dazu beitragen können, den oder die Verursacher dieser Bedrohungen
ausfindig zu machen und diese persönlichen Bedrohungen der Mitarbeiter
der IG Autorinnen Autoren zu beenden.
Gerhard Ruiss
IG Autorinnen Autoren
Wien, 22.5.2001
PS.: Die an uns ergangenen Wortlaute beider Schreiben.
Der konkrete Wortlaut des ersten Schreibens vom 9. Mai 2001:
„Diese Scheißheisl nennt sich Österreichisches Lit. Haus aber mit dert
österr. Lit. hab ihr gar nichts am Hut.!!
Ihr hab ja lauter Tschuschen, Juden, Linke (osteuropäische) Trotteln in
eurer Sammlung
WO BLEIBT ÖSTERREICH UND DIE ÖSTERREICHISCHE
LITERATUR????????????????????
diese institution gehört geschlossen und kein einziger Schilling soll
für einen solchen Schwachsinn ausgegeben werden.
Volksverblödung Vertschuschung und lauter grausliche Dinge produziert
dieses Institut!!!
abschaffen, aber schnell!!!!!“
Der konkrete Wortlaut des jetzigen Schreibens vom 21. Mai. 2001 und
zugleich der Anlaß für diese allgemeine öffentliche Bekanntmachung und
Bitte um Unterstützung:
„Was ihr für welche Verbrecher seids, ihr Tschuschen
Irgendwelche Ausländer, Tschuschen meistens Juden werden
Bei Euch hochgejubelt und gefördert. Natürlich auch finanziell.
100 Millionen werden so irgendwelchen Treckjuden oder anderen
Verbrechern nachgeschmissen.
Von Literatur keine Spur.
Für Arschlöcher die ihre Förderer (das Österreichische Volk) verarschen,
belügen, verblöden, terrorisieren, verraten usw.
Denen gehört eine Reise geschenkt ohne Rückreise in ein kleines
polnische Städtchen das aber jeden bekannt ist.
Dort gehören diese Gfrasta und Sie als Helfer von Verbrechern hin!
für euch grausliche tschuschen:
schleichts euch
go home!!!!!!“
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