...der werfe den ersten Stein!
Künstlerische Installation im öffentlichen Raum von Wolfgang Keller
6. Mai 2000 – 4. Juni 2000 - Wien Innere Stadt, Stephansplatz

Die Arbeit besteht aus einem 6 x 3 x 4 Meter großen Glashaus mit
Holzboden, das im hinteren Bereich von zwei Seiten betreten
werden kann. Der gegenüberliegenden Fassade ist eine hölzerne
Wand vorgelagert, die -ähnlich einem Bauzaun - die Einsicht von
außen verdeckt. Im Bereich zwischen diesem Zaun und dem
Glashaus ist die Reproduktion eines Porträts von Adolf Hitler hinter
Spezialglas montiert. Dadurch wirkt das Bild durchsichtig und
reflektierend. Durch zusätzliche Spiegelungseffekte der Glaswände
entsteht für den/die Betrachter/in ein bemerkenswerter optischer
Eindruck, der das eigene Bild gleichzeitig vor, hinter und auf den
Kopf Hitlers projiziert. Ob und in welcher Beziehung dazu man sich
selbst sieht, entscheidet der individuelle Fokus. Die Installation
wird in mehreren europäischen Städten, jeweils für die Dauer von 3 -
 4 Wochen präsentiert.

Die Installation "...der werfe den ersten Stein" des Münchner
Künstlers Wolfgang Keller will zum Nachdenken anregen. Es geht
dabei nicht um die Person Hitlers und auch nicht um den
Nationalsozialismus an sich, sondern darum, wie die heutige
Gesellschaft mit dieser Vergangenheit umgeht. Deshalb ist das
Bild Hitlers auf einem Spiegel, in dem sich der/die Betrachter/in
selbst sieht, deshalb befindet sich der Spiegel in einem Glashaus,
das den Blick auf die Umwelt freigibt.

Die Installation versteht sich nicht als Intervention oder Kommentar
zur Tagespolitik - sie entstand vor drei Jahren, 1998 wurde sie
erstmals in München ausgestellt. Sie wirft die Frage auf, ob nicht
gerade die Projektion alles "Bösen" auf Hitler und den
Nationalsozialismus eine bequeme Entlastung der
Nachkriegsgesellschaft und ihrer Mitglieder ist, die es erlaubt,
eigene rassistische, fremden- und menschenfeindliche
Denkstrukturen, die nach wie vor wirksam sind, nicht zur Kenntnis
zu nehmen. Sie ist nicht zuletzt ein Kunstwerk, das auf Hitler und
den Nationalsozialismus als "cultural identifier" hinweist und
gerade deshalb keine moralisierende, oberflächliche Botschaft
vermitteln will.

Im Begleitprogramm zur Installation kommen ExpertInnen
verschiedener Disziplinen aus Österreich und Deutschland zu
Wort. Die Inhalte, die bei der Podiumsdiskussion bei der Eröffnung
sowie beim Symposium präsentiert werden, sind von der
Installation angeregt und wollen ihrerseits zu weiterem

Nachdenken und Diskutieren anregen. Die gesamte Veranstaltung
versteht sich als Beitrag zum österreichischen Gedenktag für die
Opfer des Nationalsozialismus.


Die Diskussionen um die Installation sollen jedoch nicht auf diese
Veranstaltungen beschränkt bleiben. Das Publikum soll eingeladen
werden, Fragen der Eigenverantwortung in Zusammenhang mit
totalitären Phänomenen wie auch die Aktualität von Ausgrenzung
und Intoleranz zu reflektieren. Zu diesem Zweck soll die Installation
durchgehend von geeigneten Personen betreut werden, die den
BesucherInnen für Gespräche und Diskussionen zur Verfügung
stehen.
Wir suchen daher KommunikatorInnen, die zeitweilig
bereit sind, in der Zeit der öffentlichen Ausstellung
der Installation (Rahmenzeit von 10.00 Uhr bis 19.00
Uhr; evtl. auch danach) vor Ort den BesucherInnen
für Gespräche zur Verfügung zu stehen.

Termine

Ausstellungsdauer: Samstag, 6. Mai - Sonntag, 4. Juni 2000
Eröffnung: Samstag, 6. Mai 2000, 19:00 Uhr
Symposium:
Freitag, 12. Mai 2000, 18:00 - 21:00 Uhr
Samstag, 13. Mai 2000, 10:00 - 13:00 Uhr
Samstag, 13. Mai 2000, 15:00 - 18:00 Uhr

Ort

Wien Innere Stadt, Stephansplatz
(Lage: über dem Grundriss der Magdalenenkapelle / Virgilkapelle)
Eröffnung: Club Stephansplatz; 1010 Wien, Stephansplatz 4
Symposium Haas Haus, Steffl-Erker (4. Stock); 1010 Wien, Stephansplatz

Projektträger und Organisation Wien
Arche - Plattform für Interkulturelle Projekte
E-mail: arche@arche.or.at 

Eröffnung - Programm

Samstag, 6. Mai 2000, 19:00 - 21:30 Uhr
Begrüßung
Dr. Richard Schmitz, Bezirksvorsteher der Inneren Stadt
Frau Wiltrud Holik, Botschafterin der BR Deutschland
Podiumsgespräch
Univ. Prof. Dr. Ruth Wodak
Dr. Anna Mitgutsch
Dipl.-Ing. Jan Tabor
Wolfgang Keller
Moderation: Dr. Peter Huemer
Anschließend Eröffnung der Installation

Symposium - Programm

Freitag, 12. Mai 2000
18:00 Uhr  Prof. Dr. Wolfgang Neugebauer / DÖW Wien
Zur Problematik der NS-Vergangenheit in Österreich

18:45 Uhr  Dr. Christian Schneider / Sigmund Freud Institut Frankfurt
Die unendliche Geschichte. Von der Gegenwart der Vergangenheit beim Nachdenken über die Zukunft demokratischer Gesellschaften

19:30 Uhr  Podiumsdiskussion mit den Referenten

Samstag, 13. Mai 2000,

10:00 Uhr  Mag. Josef Prinz / Evangelischer Pfarrer, Linz
"Gott und das Böse": Biblisch-theologisches Aufbegehren gegen die Macht des Verdrängens

10:45 Uhr  Ao. Univ. Prof. Dr. Gerhard Bodendorfer /Theologe, Universität Salzburg
Schuld und Sühne?! Die katholische Kirche und ihr schwieriger Umgang mit der Shoa

11:30 Uhr  Podiumsdiskussion mit den Referenten

15:00 Uhr  Dr. Lars Rensmann / Politikwissenschafter, Freie Universität Berlin
Politisch-psychologische Nachwirkungen des Nationalsozialismus in der 
Gegenwart: Zur Dialektik von neueren Vergangenheitsdiskursen und 
gesellschaftlichen Einstellungen gegenüber dem Holocaust in Deutschland

15:45 Uhr  Dr. Margit Reiter / Historikerin, Wien
"Tischgespräche" intergenerationelle Kommunikation über den Nationalsozialismus in familiären und gesellschaftlich Kontext in Österreich

16:30 Uhr  Podiumsdiskussion mit den ReferentInnen

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* Austrian Institute for Applied Ecology *
*     Ressources and Risk Assessment     *
*       A-1070 Wien, Seidengasse 13      *
*    Tel +43-1-5236105-0; Fax 5235843    *
*          http://www.ecology.at         *
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