6.Standard:
Frau Ministerin, sehen Sie sich eigentlich auch als Frauenministerin?
Sickl: Ja selbstverständlich,
sogar sehr intensiv. Ich möchte sagen, es ist nicht entscheidend,
ob die Frauen in einem eigenen Ministerium vertreten sind, sondern entscheidend
ist, diejenige, die sich für diese Frauenfragen dann engagiert
und das bin ich diesem Fall halt ich...
...Standard:
Und das Gleichbehandlungsgesetz, wollen Sie das konkret auch für die
Privatwirtschaft gelten lassen?
Sickl: Da bin ich ehrlich überfragt,
für wen das genau gilt. Da haben Sie mich jetzt auf dem falschen Fuß
erwischt. ...
...Standard:
In welcher Hinsicht schlagen Feministinnen über die Stränge?
Sickl: Naja, weil sie zu extreme Forderungen
aufstellen, die in der Gesellschaft auf Widerstand stoßen.
Standard: Was sind extreme Forderungen
für Sie?
Sickl: Lassen' S mich nachdenken.
Also etwa die Forderung nach der Quote. Das ist übertrieben, weil
es der Sache nicht gerecht wird und es dient nicht der Gleichberechtigung
der Frau wenn eine Frau die Qualifikation nicht hat und nur eine Quotenfrau
ist.
Standard: Kennen Sie solche Quotenfrauen?
Sickl: Nein.
7.Jörg
Haider hat die Präambel am Aschermittwoch in Ried zerrissen.(Kurier)
8.Im
Einklang mit internationalen Konventionen, sind Hetzreden in Österreich,
zumindest theoretisch, verboten. Mit Strafe von bis zu zwei Jahren bedroht
ist die Verhetzung, wenn laut § 283 StGB,
(1) wer öffentlich auf eine
Weise, die geeignet ist, die öffentliche Ordnung zu gefährden,
zu einer feindseligen Handlung gegen eine im Inland bestehende Kirche oder
Religionsgesellschaft oder gegen eine durch ihre Zugehörigkeit zu
einer solchen Kirche oder Religionsgesellschaft, zu einer Rasse, einem
Volk, einem Volksstamm oder einem Staat bestimmte Gruppe auffordert oder
aufreizt oder
(2) öffentlich gegen eine
der im Abs. 1 bezeichneten Gruppen hetzt oder sie in einer die Menschenwürde
verletzenden Weise beschimpft oder verächtlich zu machen sucht.
Anbei
die antisemitischen und fremdenfeindlichen Zitate die Februar 2000 in ein
paar Tagen in der Diskussionsgruppen der Kronen-Zeitung
gesammelt wurden:
„Der
einzige Hass der weltweit die Runden macht ist der Haider und FPÖ-Hass.
DAS IST AUSGRENZUNG, DISKRIMINIERUNG UND RASSISMUS, welcher von den ach
so guten Menschen wie Chirac, den Juden, den Sozialisten und den linken
Medienmitläufern proklamiert wird. ABER WIR LASSEN UNS NICHT VERARSCHEN!!!
NEUWAHLEN UND HAIDER AN DIE MACHT!!!! „ „Verkaufe nie einem Juden deine
Sachen. Er wird nach Jahrzehnten wieder kommen und den Kaufpreis verlangen,
solange bist nicht´s mehr hast.“ „Jetzt muss einmal SCHLUSS sein
mit der blöden Endschuldigerei WIR müssen uns nicht entschuldigen
- und dem es in diesem LAND nicht passt der soll verschwinden. WIR brauchen
keine Künstler die am Subventionstopf hängen, keine JUDEN die
an unserer Politik kritik üben,keine roten/grünen A....löcher
die das LAND nur in VERRUF bringen ...... kapiert es, IHR GESINDEL verlasst
ÖSTERREICH.“ „endlich einer der es offen ausspricht! es ist ja wirklich
nicht mehr lustig, die juden sollen jetzt geld von den banken pauschal
bekommen, alle anderen, die mit der nachkriegsinflation auch alles verloren
haben gehen leer aus. so gehts nicht. wir sollten dieses pack rausekeln
wie es nur geht, vielleicht mit einer sondersteuer auf koschaprodukt von
99999999999999999999999999 % und das wäre noch zu wenig, wenn man
bedenkt, was uns diese juden ständig antun.“ „TOT DEN DEMONSTRANTEN,
LINKSRADIKALE SOZISCHWEINE! SCHÄDIGEN UNSER LAND AUF BEIDEN SEITEN,
IM INLAND UND IM AUSLAND! IHR LANDESVERÄTER, AUSWEISEN SOLLT MANN
DIESES PACK! AM BESTEN NACH ISRAEL! „ „Denn jeder wahre Österreicher
schaut auf sein Land und nicht das Arbeitslose, Ausländer, Zigeuner
und sonstige G'sindl von den "Roten" unterstützt werden, während
Österreicher für alles selbst aufkommen müssen.“ „Ich lese
gerade, daß Israel den Nachbarstaat Libanon bombardiert. Wo bleiben
die Sanktionen? Warum berufen wir unseren Botschafter nicht ab? Wo bleibt
die solidarität der internationalen (Freimaurer-)Wertegem einschaft?
Oder sind die Juden wirklich Übermenschen? Wer weiß, vielleicht
stiften sie sogar ein paar Shekel für die Berufsdemonstranten hier.
Irgendwie müssen sie ja von ihrer eigenen "Politik" ablenken.“ „Das
kann es doch nicht geben das die Israeli allen Ernstes verlangen das unsere
Sportler Weltweit ausgeschlossen worden ist die ganze Welt den nun verrückt
geworden? Und das alles haben wir Klima und seinen roten Freunden zu verdanken
Weil aus dem zündeln ein Brand geworden ist den man nicht mehr löschen
kann .“
Was
macht die Regierung dagegen? Sind Regierung, Staberl und Konsorten stolz
jetzt auf ihr Österreich, kann man dem Ausland so etwas verkaufen,
seinen Kindern solche Nachbarn wünschen? Werden solche Worte noch
und wieder ungestraft toleriert?
9.Für
den hochsensiblen Bereich etwa des Wohnungsmarktes fehlt jegliche
Bestimmung, die einen besonderen Schutz gegen rassische Diskriminierung
bieten könnte.. Was tut da die Regierung?
10.Im
Ausländerbeschäftigungs-Gesetz
werden die Arbeitgeber verpflichtet, bei einer Reduzierung des Personalstandes
vorrangig ausländische Arbeitnehmer zu entlassen. Was tut da die Regierung?
11.Der
Klubchef der Freiheitlichen, Peter Westenthaler, hat in einem Interview
mit dem Nachrichtenmagazin FORMAT angekündigt, sämtliche, von
der früheren Bundesregierung bestellten Mitglieder des ORF-Kuratoriums
auszutauschen. Als Grund dafür gibt Westenthaler die Berichterstattung
über die neue Regierung an. Der ORF führe eine parteipolitsch
motivierte Hetzkampagne gegen die Regierung. "Im ORF reagieren sich
anscheinend einige Journalisten in grundloser Übersteigerung ihrer
Ängste, an der Regierung ab", so Westenthaler. Der FPÖ-Kurator
kritisierte in dem Interview vor allem die ZiB 2, wo "einigeIdeologen
... aus tiefstem persönlichen Frust solche Stückerl drehen".
Dortsei eine Verlautbarungsstelle
für Links, eine Kampfstelle gegen die
neue Regierung. Da wird in fast jedem
Bericht manipuliert." Auch Ö3 wird attackiert: "Da gibt es
einen Anti-Regierungs-Mob in der Ö3-Information.“ (20. Februar 00)
-
12."Es
weht ein strenger Wind von rechts" -
mit diesem Satz leitet die aktuelle Ausgabe von "tv-media"
einen Artikel ein, der über die Auswirkungen der schwarz-blauen Regierung
auf den ORF
berichtet. Diese Winde trafen, laut dem Medien-Magazin, auch die Internet-Plattform
"ORF-ON": Diese veröffentlichte Links zu regierungskritischen
Websites, die zu Protesten und Demonstrationen aufriefen. Nach schwarz-blauen
Interventionen waren diese Links nach kurzer Zeit "verschwunden" ... (red)
(16/2/00)
13.Der
Küniglberg steht unter Dauerbeschuss. FP-Klubobmann Peter Westenthaler
fährt schwere Geschütze auf - vor allem gegen die ORF-Information.
Seine in TV-MEDIA formulierten Forderungen: - Die Ablöse von ORF-Infochef
Hannes Leopoldseder, den er als "heillos überfordert" abqualifiziert.
- Die Etablierung eines ORF- Generalsekretärs, dessen Hauptaufgabe
die "Koordination der ZiB-Sendungen" sein soll. Mit diesem Schachzug sollen
vor allem die News-Macher Robert Stoppacher (ZiB 1) und Johannes Fischer
(ZiB 2, ZiB 3) entmachtet werden. Fischers Kon-ter: "Westenthaler will
einen FP-Politkommissar installieren." - Die ZiB 3 soll "ersatzlos gestrichen"
werden. - Täglich sollen ressekonferenzen der Parteien im Vormittags-TV
übertragen werden. Darüber hinaus kommt es fast täglich
zu Interventionen der FP im ORF. In TV-MEDIA kündigt FP-Westenthaler
- der auch im 35-köpfigen ORF-Kuratorium, quasi dem "Aufsichtsrat"
des ORF, sitzt - an: "Wir werden alle diese Forderungen im Kuratorium am
17. März diskutieren." Mehr als eine Diskussion wird es am 17. März
auch nicht geben. Denn: Konkrete Anträge - etwa die Abberufung des
ORF-Informationsintendanten oder die Absetzung der ZiB 3 - sind laut Rundfunkgesetz
gar nicht möglich. ORF-General Weis: Er hat alle Trümpfe in der
Hand.
14.Stellungnahme
des ORF-Redakteursrats- Der tägliche
Anti-ORF-Geifer des ORF-Kurators Ing. W.
bietet wegen völliger inhaltlicher
Substanzlosigkeit keinen Anlass, sich wirklich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.
Auch ist eine sachliche Auseinandersetzung mit jemandem unmöglich,
der offenbar
Schwierigkeiten hat, strukturelle
Unterschiede zu erkennen zwischen dem ORF - dessen Unabhängigkeit
in der Verfassung gesichert ist - und dem F-Parteipressedienst.
Und auch sonst verbreitet ORF-Kurator Ing. W. immer wieder vor allem Unkenntnis
über den ORF, z.B. über die gesetzlichen Aufgaben und Möglichkeiten
eines Kurators, oder wer wer ist im ORF (APA 0420). Und auch die Programmideen
Ing. W's sind nur als im Bereich der Brachial-Komödiantik angesiedelt
zu verstehen, denn mit dem Informationsauftrag des ORF wären tägliche
Parteipressekonferenz Übertragungen ebenso wenig zu vereinbaren, wie
das eine Informationsgewichtung nach dem 5oer-Jahre-Sekunden-zählen-Proporz
wäre.All das wäre zu negieren
und zum Lachen, wäre es nicht Ausdruck eines Klimas und einer Gesinnung,
die Gelüste nach einem Regierungsrundfunk, nach Zensur
und Einschüchterung eiskalt spürbar werden lassen. Für
die ORF-JournalistInnen ist das Anlass ihrem Publikum, den ORF-Kunden zu
versichern, dass sie sich von keinem W. und auch sonst niemandem in der
konsequenten Wahrnehmung ihres gesetzlichen Auftrags hindern, sie sich
nicht einschüchtern lassen.
Es ist aber auch an der Zeit jene,
die mit Herrn Ing. W. einen auch die Medien im allgemeinen und den ORF
im besonderen betreffenden Koalitionspakt ausgehandelt haben, aufzufordern,
sich von Ws Verhaltensweisen unmissverständlich zu distanzieren. Und
auch der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende des ORF-Kuratoriums
sind gefordert klarzustellen, dass eine Mitgliedschaft im ORF-Aufsichtsgremium
unvereinbar ist mit notorisch unternehmensschädigendem Verhalten.
Rückfragehinweis: Der ORF-Redakteursrat
Warum
hat der Kanzler stillschweigend dabei mitgemacht?
15.die
folgende Sachverhaltsdarstellung einer Wissenschafterin spricht wohl für
sich selbst:
o.Univ.Prof.Dr. Ruth Wodak Institut
für Sprachwissenschaft Universität Wien und Leiterin des Forschungsschwerpunkts
"Diskurs, Politik, Identität" bei der Österreichischen Akademie
der WissenschaftenSachverhaltsdarstellung
Interview für Kunststücke, am 17.2.2000, 10-11Uhr 30 vormittags,
ORF,
Küniglberg
Ich
wurde gebeten, ein Interview zu meinen extensiven Forschungen aus den letzten
15 Jahren über rassistischen und antisemitischen Sprachgebrauch in
verschiedenen Öffentlichkeiten in Österreich und auch in insgesamt
6 EU-Staaten für eine Sendung "Kunststücke" (gesendet am 17.2.2000)
zu geben. Aus diesem Grund traf ich mich mit dem zuständigen Redakteur
am Montag, 14. 2. 2000, zu einer Vorbesprechung, wo ich diesem meine
und unsere Arbeiten (Bücher wie auch Artikel und Manuskripte) zur
Verfügung stellte. Der Redakteur erklärte mir, daß zunächst
ein Film gezeigt werden würde, "Blue Eyes", über ein psychologisches
Experiment in den USA (in dem Blauäugige ausgegrenzt werden);
danach würde ich dazu befragt, als Linguistin und Expertin. Ich sagte
gerne zu, da ich dieses Thema für sehr wichtig halte. Ich regte an,
aus dem ORF-Archiv Materialien zu recherchieren, um bestimmte Diskurssequenzen
aus der ZIB2 und aus Parlamentsdebatten zu zeigen, die ich dann analysieren
könnte. Die von mir dazu ausgewählten Texte entstammen analysierten
Texten in mehreren Publikationen. Im besonderen dreht es sich um ein ZIB2
Interview mit Jörg Haider vom 29. Oktober 1997, zu dem damaligen neuen
Parteiprogramm der FPÖ, wie auch um diverse Parlamentsdebatten zum
Thema "Immigration", die wir in unserem neuen Buch "Racism at the
Top" (eds Ruth Wodak und Teun van Dijk, Drava Verlag, Klagenfurt 2000)
vergleichend mit den anderen 5 EU-Staaten quantitativ und qualitativ untersucht
haben (England, Frankreich, Holland, Spanien und Italien). Am Mittwoch
rief mich der Redakteur an, daß es ihm untersagt worden war,
vom Chef der Sendung wie auch "von oben", diese Recherchen durchzuführen.
Darauf beschloß ich, relevante Texte für meine theoretischen
und empirischen Befunde im Interview vorzulesen. Am Donnerstag, 17. 2.
2000, besprachen wir vor der Aufnahme des Interviews noch einmal
den Ablauf der Fragen und des Gesprächs. Der Film sollte in
zwei Teilen gesendet werden, zunächst der Anfang, dann das Interview
eingeschaltet, danach folgte der zweite Teil des Films. Die Unterbrechung
erfolgte an einem Punkt, wo der Psychologin im Film von Eltern vorgeworfen
wurde, sie sei ein "Negerliebchen". Ich sollte dann diesen Begriff analysieren.
Ich sagte, daß ich daran anschließend gleich zwei Zitate ,
eines von Jörg Haider und eines von Helene Partik-Pable, vorlesen
würde, die beide Schwarze degradieren. Haider verwendet "Buschneger"
{ Jeder Buschneger hat in Zukunft die Möglichkeit, seine Kollegen
in Österreich zu behandeln; Haider über das neue Ärztegesetz,
Der Standard, 13.10.1998}, Partik-Pable meinte in einer Parlamentsdebatte,
daß Schwarzafrikaner "schauen nicht nur anders aus, (.) sondern sie
sind auch anders, und zwar sind sie besonders aggressiv" Partik-Pable,
Tiroler Tageszeitung, 20.5. 1999}. An dieser Stelle kam der Chef der Sendung
hinzu und erklärte mir, daß ich die Namen der zitierten Politiker
nicht
nennen dürfte. Als ich fragte, warum dies nicht möglich sei,
sagte er, daß er ansonsten 10 Entgegnungen würde schreiben müssen
wie auch daß diese Namen herausgeschnitten würden bzw. das Interview
überhaupt nicht gezeigt werden dürfte. Auf meine Frage, seit
wann Wissenschaft eingeschränkt werde im ORF, meinte er, es seien
explosive Zeiten und er fürchte um seine Sendung. Er schlug vor,
ich sollte "österreichische PolitikerInnen" sagen. Dies
lehnte ich ab, da diese Art Aussprüche typisch seien für eine
einzige Partei, und nicht für alle. Ich bestand darauf zu erwähnen,
daß die Qualität solcher Aussagen sich von anderen Äußerungen
("Das Boot ist voll" Josef Cap) systematisch unterscheide, wie auch linguistisch
leicht nachweisbar ist. Wir einigten uns dann, alle schon sehr nervös,
auf den Namen der Partei; allerdings wurde ich gebeten, auch Aussprüche
von anderen Parteien zu zitieren. Dies hatte ich ja ohnehin vor, da ich
wissenschaftliche Ergebnisse präsentieren wollte. Ich überlegte
kurz, das Interview abzusagen, meinte dann aber, daß das Thema sehr
wichtig sei, und blieb daher, um wenigstens einige Forschungsergebnisse
präsentieren zu können. Allerdings ist mir in den vielen Jahren
meiner Tätigkeit eine solche Zensur im ORF noch niemals widerfahren.
Es ist nämlich für wissenschaftliches Arbeiten unabdingbar, die
Quellen von Texten anzugeben (Aussagen nachprüfbar zu machen).
16.„...ein
"Am Schauplatz"-Team macht gerade eine Dokumentation ueber die oesterreichische
Tierrechtsbewegung. Es steht dabei nach eigenen Aussagen total politisch
unter Druck die Sendung in Richtung Tierausbeutung zu aendern. Sie sagen
der Generalintendant Weis hat sie kontaktiert und gesagt, dass er persoenlich
den Film sehen will, bevor er gesendet wird, und dass alle illegalen Szenen
rausgeschnitten werden muessen, und dass es total objektiv sein muss. Das
ist das erste Mal, dass ein Generalintendant sich in eine "Am Schauplatz"
Sendung einmischt. Und wie wird die Objektivitaet von den taeglichen
Anti-TR und TierausbeuterInnenfilmbeitraegen kontrolliert? So zeigt sich
die neue Regierung.“ (Verein gegen Tierfabriken)
17.Trotz
„Verbotes“
hat die ZIB 3 Sprecherin, Birgitt Fenderl, ganz nebensächlich, den
Termin der 2. Donnerstagsdemo in der Sendung angekündigt... seitdem
ist sie „freigestellt“.Man
hört auch schon lange nichts mehr im ORF über den Widerstand...ZIB
3 wird scheinbar gänzlich abgeschafft....
18.Warum
bestehen die EU Staaten auf Sanktionen solange die FPÖ in der Regierung
ist? Warum wird die FPÖ nicht von anderen Parteien und Politikern
aller Tendenzen als demokratisch angesehen? Die F-PÖ hat noch
immer Führungskräfte, die Rassisten in ihren Reihen auch an führender
Stelle dulden, die Beziehungen zur rechtsextremen Szene und organisierten
neonazistischen Gruppen pflegen, die keinen Unterschied zwischen der Befreiung
Österreichs von der NS-Diktatur und dieser Diktatur machen, die die
Benes-Dekrete mit dem Holocaust gleichsetzen, die keinen Unterschied zwischen
Churchill, Hitler und Stalin machen, für die Ex-SS-Mitglieder ehrenhafte
und vorbildliche Männer sind, die Ausländern die organisierte
Vermehrung und die Zurückdrängung der Österreicher vorwerfen,
die Afrikaner generell als „Buschneger“ und „besonders aggressiv“ brandmarken,
die Asylanten pauschal als Asylbetrüger und Ausländer mehr oder
weniger pauschal als Verbrecher diffamieren, die das Recht auf freie Religionsausübung
anzweifeln, die kritische Journalisten, Intellektuelle und Künstler
in ihrer Rede- und Kunstfreiheit einschränken wollen, die sichnicht
glaubwürdig vom Nationalsozialismus distanzieren. Die Freiheit, die
die FPÖ meint, ist nur für Gleichdenkende - Alle anderen müssen
sich an diese Normen anpassen oder sind von dieser Freiheit ausgeschlossen
und werden diffamiert.
19.Wehrmacht
in SchulenIm "Informationsblatt
Nr. 95 - Geistige Landesverteidigung" des Unterricht Ministeriums
vom Jänner 2000 sei diese Initiative beworben worden. Interessierte
Lehrer seien gebeten worden, sich an deren Sprecher zu wenden. Weiters
weise die Initiative selbst in einer Aussendung darauf hin, dass ihre Unterlagen
an alle österreichischen Schulen weitergegeben worden seien. Nach
heftigen Protesten und Widerstand – als Redner waren ehemalige Wehrmachts
Veteranen vorgesehen - hat dasUnterrichtsministerium
in einem Rundschreiben an alle Landesschulräte angewiesen, die Schulen
zu informieren, dass "die Referenten-Vermittlungstätigkeit der privaten
'Initiative Wehrbereitschaft' (doch) nicht in Anspruch zu nehmen ist".
Vorgesehene Sprecher
waren: Der Traiskirchner Anwalt Herbert Schaller, er habe Rechtsextremisten
wie Walter Ochensberger oder Gerd Honsik vertreten und sei gegen das NS-Verbotsgesetz
eingetreten. Marinovic habe für die Zeitschrift der rechtsextremen
"Nationaldemokratischen Partei Deutschland" publiziert und bei Veranstaltungen
des im Vorjahr behördlich aufgelösten Vereins "Dichterstein Offenhausen"
referiert. Neidhart war Ende der 70-er Jahre stellvertretender Obmann des
"Rings Volkstreuer Verbände" und Schadlinger laut Handbuch des Rechtsextremismus
1994 Vorstandsmitglied der "Österreichischen Landsmannschaft".
20.Das
12 Mio. ATS Kosmos Frauen Raum Projekt ist gefährdet! Es ist
ein Projekt zur Förderung von Kunst und Kultur mit weiblichen Inhalten.
Zugesagte Subventionen für den Umbau, kommen nicht zur Auszahlung:
durch die Schließung des Frauenministeriums fehlt1
Mio. ATS. Von Kunstminister Morak kam die Absage zur Zahlung von weiteren
1,8 Mio. ATS. Es droht der Baustop. Die schwarz-blaue Regierung setzt bereits
10 Mio. investierte Subventionen in den Sand, um eine Insel des aktiven
Widerstands sterben zu lassen.
21.Grissemann&Stermann: Kabarettisten
dürfen nicht mehr über alles lachen, sonst verlieren sie ihren
job: wir sind ja nicht zum Spaß da!
22.Auch
mit der Religionsfreiheit nimmt es die Vorarlberger FPÖ nicht
so ernst. Im erwähnten Programm steht unter Tierschutz folgendes:
"Ausdrückliches Verbot des Schächtens, denn die Freiheitlichen
lehnen Tierquälerei unter dem Deckmantel der freien Religionsausübung
entschieden ab."
Dafür
ist Prinz Hormon für mehr Toleranz gegenüber Scientology. (Kurier,6.
11. 1999)
23.Früheres
hochrangiges
NDP-Mitglied kandidiert für die FPÖ Frank-Dieter Stanzel
findet sich am dritten Listenplatz der Gemeinde St. Andrä-Wördern
wieder - und bekennt sich "zu seinem rechten Gedankengut" St. Andrä/Wördern
- Das Montag erscheinende "Format" berichtet von Problemen der niederösterreichischen
FPÖ mit der rechtsradikalen Vergangenheit eines ihrer Kandidaten für
die Gemeinderatswahlen habe. Am dritten Listenplatz der Gemeinde St. Andrä-Wördern
kandidiere der ehemalige Aktivist der Nationaldemokratischen Partei Österreichs
(NDP), Frank-Dieter Stanzel. Stanzel sei nach eigenen Angaben bis Mitte
der 80er Jahre hochrangiges Mitglied der NDP gewesen, die 1988 wegen Neonazismus
verboten wurde. Stanzel bekenne sich "zu seinem rechten Gedankengut" und
bezeichne die NDP wörtlich "als legale Partei". Stanzel habe bereits
1995 wegen derselben Vorwürfe seinen Kandidatur für die FPÖ
zurückziehen müssen. (APA)
24.Anmerkung
zu dem gerne gebrachten Scheinargument der Regierung, Österreich hätte
im Vergleich zu anderen Eu-Ländern einen besonders hohen AusländerInnenanteil.
Diese Behauptung ist zwar richtig, wie so oft liegt der Hund aber im Detail
begraben: Der hohe AusländerInnenanteil resultiert nämlich hauptsächlich
daraus, dass Österreich EU-weit die längsten Einbürgerungswartezeiten
(10 Jahre) und die geringste Einbürgerungsquote hat. Diese AusländerInnenzahlen
sind also weniger ein Zeichen der "Fremdenfreundlichkeit" und Toleranz
sondern eher der rassistischen Einbürgerungspolitik Österreichs
(z.B. auch, dass in Österreich geborene und aufgewachsene Kinder von
NichtösterreicherInnen de jure AusländerInnen sind - und z.B.
auch in Länder als ihre "Heimat" abgeschoben werden, die sie u.U.
noch nie in ihrem Leben gesehen haben). Was wird dagegen unternommen...?
25.Offener
Brief
Betrifft: Zensur? Vorauseilender
Gehorsam? Oder "nur" ein veralteter, repressiver
Medienkunstbegriff?Im
Januar 2000 wird Klub Zwei eingeladen, im Rahmen der steirischen Landesausstellung
gr2000az eine Arbeit auf einem Großbild in den Arkaden des Schloss
Eggenberg in Graz zu präsentieren. Wir entschließen uns auf
die aktuelle politische Situation in Österreich bezug zu nehmen und
wählen ein Bild aus dem Projekt "Arbeit an der Öffentlichkeit",
das in Zusammenarbeit mit der Migrantinnengruppe MAIZ entstanden ist. Grund
für diese Wahl ist neben dem offensichtlichen Aktualitätsbezug
auch der Anspruch, jene Themen und Forderungen zu unterstützen,
die MigrantInnen seit Jahren in die öffentliche Diskussion einzubringen
suchen, die aber im aktuellen Mainstream-Diskurs um Rassismus wieder einmal
vergessen scheinen. Das Bild trägt die rote Headline "Graz hat nie
die Hitlerzeit verloren" und verweist so auf rassistische Strukturen, die
bis heute alle Bereiche der Gesellschaft bestimmen, wie etwa an dem Zugang
zur österreichischen StaatsbürgerInnenschaft besonders deutlich
wird. (StaatsbürgerIn ist lt. österr. Gesetzgebung nicht, wer
in Österreich geboren wird, sondern wessen Eltern ÖsterreicherInnen
sind). Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen, an der Nicht-Präsenz
von Männern und Frauen nicht-österreichischer Herkunft in Leitungsfunktionen
österreichischer Kulturinstitutionen. Vor der Headline sind mehrere
Textspalten in kleinerer, schwarzer Schrift zu lesen. Sie beinhalten Aussagen
der MAIZ-Mitarbeiterinnen Luzenir Caixeta, Rúbia Salgado, Tania
Araujo, Milena Müller und Veronika Rechberger, die über Rassismus
und Diskriminierung von MigrantInnen in Österreich sprechen, über
Möglichkeiten kritischer Öffentlichkeitsarbeit und über
Forderungen an die österreichische Gesellschaft.
Ende Februar schließlich wird
Klub Zwei mitgeteilt, dass dieses Bild nicht auf der steirischen Landesaustellung
gezeigt wird, da es nicht auf ersten Blick als Medienkunst erkennbar sei.
Politische Gründe habe die Entscheidung gegen dieses Bild aber keine.
(Siehe dazu auch das
Gedächtnisprotokoll im Anhang).
Wir schreiben diesen offenen Brief,
um auf das Zusammenspiel kuratorischer Selektionsverfahren und kulturpolitischer
Forderungen, wie sie z.B. Hr. Westenthaler* oder die FPÖ Salzburg**
vorbringen, hinzuweisen. Wir halten dieses Zusammenspiel für alarmierend
und einer Analyse wert. Wir rufen zu Diskussion und Wachsamkeit gegenüber
Prozessen der Normalisierung und Anpassung auf und warnen davor, wie schnell
rechte Politik in kulturelle Praxis hineinregieren kann und wird. (Die
Selbstzensur arbeitet immer schneller und effizienter als die Zensur).
Das Argument "Arbeit an der Öffentlichkeit" sei keine Medienkunst-Arbeitist
in diesem Sinne nicht nur Ausdruck eines veralteten Kunst- und
Ästhetikbegriffs, gegen den wir
uns als zeitgenössische KünstlerInnen wenden. Vielmehr zeigt
dieses Argument, wo ein solcher Kunst- bzw. Medienkunstbegriff reaktionäre,
repressive oder gar rassistische Politik bedient und stützt. Ob dies
beabsichtigt oder ungewollt (verinnerlichter und sogleich verdrängter
Gehorsam) geschieht, sei dahingestellt und tutletztlich
auch nichts zur Sache. Denn es geht nicht darum Einzelpersonen zum Thema
zu machen, auch wenn wir denken, dass diese für das, was ihr Handeln
produziert, zur Verantwortung gezogen und kritisiert werden müssen.Es
geht vielmehr darum, die solchem Handeln zugrundeliegenden Strukturen und
Mechanismen anzugreifen und sie zu verändern. Konkret hieße
dasbeispielsweise die Aufforderung
an österreichische Kulturinstitutionen,
MigrantInnen auf allen Ebenen, von
Leitungs-, über inhaltliche bis zuVerwaltungsfunktionen
zu repräsentieren und damit parallel zu antirassistischer Öffentlichkeitsarbeit
antirassistische Strukturarbeit
voranzutreiben.
Wir bitten Sie, zu diesem und anderen
Fällen der Unsichtbarmachung bzw. Zensur gesellschafts-, staats- und
regierungskritischer Kunst-, Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit zu
recherchieren und in Ihrem Medium darüber zu berichten. Klub Zwei
26.Der
Bundeskanzler
hat nach den anonymen, nazistischen Morddrohungen
gegen
Frau Knoll und ihre Familie nichts gesagt und nichts getan.
Wien Bundeskanzler ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel wollte 1995 die
burgenländische Superintendentin Gertraud Knoll als parteifreie
Ministerin in die Regierung holen. Das erklärt Knoll in einem Interview
im "Format". Sie, Knoll, habe aber abgelehnt, weil sie keinerlei Qualifizierung
verspürt habe. Ihre Ablehnung könnte ein Grund dafür sein,
dass Schüssel bisher zu den Angriffen gegen sie geschwiegen habe,
mutmaßt Knoll. Jedenfalls könne Schüssel wohl nicht glauben,
dass sie eine "links-linke Ideologin" sei, wie "heute gern von Schwarz-Blau
behauptet wird". "Sonst hätte er mich damals sicher nicht gefragt",
glaubt Knoll. Die Superintendentin ist aus ihrem Sonderurlaub zurückgekehrt,
den sie am 20. März dieses Jahres nach Morddrohungen angetreten hatte.
Auf die Frage, ob sie glaube, dass die Drohungen gegen sie mit der ÖVP-FPÖ-Koalition
zusammenhängen, meint Knoll: "Die Tonlage und Qualität der großen
Bierzeltreden des Jörg Haider hat alle ermutigt, die das für
ihr Niveau und ihre Weltsicht halten. Daß ein Koalitionspakt zwischen
Wolfgang Schüssel und Jörg Haider möglich geworden ist,
hat diesen Menschen einen unheimlichen Auftrieb und wohl auch eine Legitimation
gegeben, in dieser Qualität der Sprache gegen andere Menschen vorzugehen
und wieder beschämend dieselben Sündenböcke und Feindbilder
zu suchen." Auf die Frage, ob sie sich von der Regierung im Stich gelassen
fühlt, sagt die Superintendentin: "Es geht einfach nicht, dass eine
politische Partei feststellt, wer als Bischöfin oder als Pfarrer genehm
ist. Das ist der springende Punkt. Dazu ist bis jetzt noch nichts gesagt
worden." An eine Änderung der FPÖ unter Susanne Riess-Passer
glaubt Knoll nicht. Insgesamt sieht sie auf Österreich Verschlechterungen
zukommen: "Ich fürchte, dass der ungebremste Kapitalismus in Österreich
fröhlichen Einzug hält und der Staat sich mehr und mehr aus seiner
sozialen Verantwortung ziehen wird. Das wird uns in nächster Zeit
beschäftigen." (APA)
27.Und
so geht Zensur weiter:Der Generalinspektor
der wiener Polizei wurde in zivil bei einer Demonstration gegen
FPÖVP gesehen, weshalb die "Freie Exekutivgewerkschaft Österreichs"
ein Disziplinarverfahren gegen Schnabl als "unumgänglich" sieht.
28."Die
Abfuhr des Außenministeriums gerade anlässlich des NS-Opfergedenktages
ist ein weiteres fatales Signal der Bundesregierung", meinte Kellner
am Freitag in einer Aussendung. Im Rahmen der letztwöchigen Zivildienstgesetznovelle
war eine Kürzung der finanziellen Mittel für Gedenkdiener
beschlossen worden. Die Einsparungen von bis zu 40.000 Schilling pro Gedenkdiener
bezeichnete Kellner als Belastungen, die Gedenkdiener vor ein existenzielles
Problem stellten. Für Kellner ist es nicht vorstellbar, dass eine
Beendigung der Gedenkdiensteinsätze gerade in Ländern wie Israel
oder den USA im Interesse der Bundesregierung liegen könne. "Den Reden
bei den diversen Gedenkfeiern müssen nun konkrete Taten folgen", so
der Obmann des Verein Gedenkdienst. (APA)
29.Von
12 bis 13. Mai treffen sich in Innsbruck
bis zu zweitausend deutschnationale Burschenschafter zu einem sogenannten
"Festkommers" sowie zur "Festakademie 2000". Wie bereits beim "Gesamttiroler
Festkommers" 1994 werden auch heuer wieder Rechte und Rechtsradikale aus
ganz Europa anreisen um bei diesem Ereignis dabei zu sein. Das schwarz-blaue
Österreich wird diesmal eine besondere Anziehungskraft ausüben,
wird es doch in diesen Kreisen als "Vorbild fuer ganz Europa" gehandelt.
Auch
das Erscheinen von Vertretern der Regierungsparteien ist zu erwarten,
waren oder sind doch einige von ihnen selbst Mitglieder schlagender
Verbindungen. Überhaupt sind deutschnationale und rechtskonservative
Burschenschaften einer der wichtigsten Verknüpfungs- und Überschneidungspunkte
vor allem, aber nicht nur, der FPÖ mit dem (militanten) äußerstem
rechten Rand. Auch hier kommt den großen Treffen der Burschen und
deren "alten Herren" besondere Bedeutung zu. Veranstaltungsorte werden
der Stadtsaal, sowie das Kongresshaus Innsbruck sein, nachdem der Rektor
der Universität mit der verständlichen Begründung, er wolle
"zutiefst abzulehnendes, deutschnationales und rassistisches Gedankengut
nicht salonfähig machen", die Uni nicht zur Verfügung stellte.
Als prominente Teilnehmer angekündigt sind unter anderem Ewald Stadler,
ehemaliger Haider Dobermann, ein gewisser Alfred Mechtersheimer, dem der
deutsche Verfassungsschutz eine "Gegnerschaft zum demokratischen Rechtstaat"
bescheinigt, oder Friedrich Romig, der in der "Aula" über das Dokumentationsarchiv
des österreichischen Widerstandes schrieb: "Was Not tut, ist die systematische
Bekämpfung des eiternden Geschwürs, das unser Land vergiftet."
Der ehemalige SA- Sturmführer Otto Scrinzi wird die Podiumsdiskussion
am 13. Mai im Innsbrucker Kongresshaus leiten, und interessanterweise hat
auch
der Innsbrucker Buergermeister Herwig van Staa (OeVP) sein Kommen zugesagt,
was auch erklärt warum die Veranstalter problemlos städtische
Räumlichkeiten nutzen können. ( Schon beim Kommers 1994 zeigte
die ÖVP wenig Berührungsängste, als ihr "Menschenrechtssprecher"
Felix Ermacora auf der Rednerliste stand.) Wichtige Initiatorin des Kommerses
ist die Burschenschaft BRIXIA, die sich selbst als "Lebensbund deutschstämmiger
Akademiker" definiert, und die sich unter anderem dadurch hervortat,
das sie versuchte am 9. November 1989, dem Jahrestag der Reichspogromnacht,
eine Veranstaltung mit dem britischen Nazi- "Historiker" und Holocaustleugner
David Irving durchzuführen. Was tut die Regierung dagegen?
30.Auf
der Website der FPÖ Vorarlberg war zunächst von "Arbeitslagern
für straffällige Jugendliche" die Rede, dies wurde nach der Angelobung
in "Arbeitsprojekte" umgewandelt
31.Klagenfurt,Blau-schwarz
will den Kulturbereich zensurieren.Der
Versuch geht von Klagenfurts Bürgermeister Harald Scheucher aus, der
mit Polizeigewalt die künstlerische Gestaltung des Klagenfurter
Kultur-Cafe OM entfernen möchte. Die Polizei sieht allerdings
keine rechtliche Handhabe gegen das Kulturobjekt. Auf Plakaten in der Auslage
hat der Künstler Viktor Rogy die Ministerriege mit Bärtchen collagiert
und das Gesicht von Jörg Haider mit falschen Hakenkreuzen versehen.
Scheucher kritisiert das Vorhandensein dieses Plakates. Der Zensur-Versuch
von Scheucher reiht sich nahtlos in eine Reihe von weiteren Erpressungsversuchen
ein, mit der Kritiker der blau-schwarzen Regierung mundtod gemacht werden
sollen. Dazu gehören die (auf öffentlichen Druck wieder zurück
genommene) Abberufung der Frauenbeauftragten und der Versuch, Salzburger
Künstlern wegen politischer Aktivitäten die Förderungen
wegzunehmen.
32.Die
FPOe hat nicht nur Gruene und LIF, sondern auch die Caritas mit Drogenhaendlern
in Verbindung gebracht: APA-Meldung: FPÖ brachte Caritas mit
Drogenhandel in Verbindung: verurteilt
Wien (APA, 7.3.00) - Im Rahmen der
Operation Spring, die Ende Mai 1999 nach einer Razzia zur Zerschlagung
eines weit verzweigten Suchtgift-Ringes führte, wurden auch in einem
Caritasheim in Wien Hausdurchsuchungen vorgenommen. Das nahm der Obmann
der Wiener FPÖ, Hilmar Kabas, zum Anlass, in einer Presse-Aussendung
diese Heime als "Keimstätten des illegalen Drogenhandels" zu bezeichnen.
Dem Wiener Caritas-Chef Michael Landau unterstellte er, "unter dem Deckmantel
christlicher Nächstenliebe Drogenhändler zu decken". Diese Behauptungen
hatten jetzt rechtliche Folgen.
Die Wiener FPÖ wurde heute, Dienstag,
im Wiener Landesgericht nach dem Mediengesetz zur Zahlung einer Entschädigung
von 25.000 Schilling (1.817 Euro) verurteilt. Ausserdem hat sie die Kosten
des Verfahrens sowie der Urteilsveröffentlichung zu tragen. Der Schuldspruch
(Richterin Ilse-Maria Vrabl-Sanda) ist noch nicht rechtskräftig. Anwalt
Martin Machold meldete im Namen der Freiheitlichen Rechtsmittel an.
"Das sind völlig ungeheure
Vorwürfe, wenn man sich ansieht, was die Caritas wirklich macht",
sagte ihr Rechtsvertreter Werner Suppan in der Verhandlung. Die Caritas
werde "auf eine Stufe mit den übelst beleumundeten Rechtsbrechern
gestellt", meinte der Anwalt. Daher dürfe man sich in diesem Fall
nicht mit einer "bloss symbolischen Geldbusse" begnügen.D
Ursprünglich hatte Suppan auch
gegen den Wiener FP-Chef eine Klage wegen übler Nachrede eingereicht.
Hilmar Kabas pochte jedoch auf seine Immunitaet, und der Wiener
Landtag lieferte ihn nicht aus, worauf das Verfahren eingestellt werden
musste..
In einem Interview mit einem Wochenmagazin
nannte der Caritas-Anwalt den Politiker darauf "einen nicht besonders mutigen
Rechtsbrecher, der sich hinter der Immunität versteckt". Jetzt
hat Werner Suppan selbst eine Klage zu gewärtigen, über die
in einem Zivilprozess entschieden werden wird. "Ich sehe dem Termin geradezu
mit Freude entgegen", meinte Suppan, der den Wahrheitsbeweis erbringen
will, gegenüber der APA.
33.Brutaler
rassistischer Überfall in Innsbruck! Wie erst zwei Wochen später
veröffentlicht wurde, wurde am 1. März ein nigerianischer
Student in Innsbruck von vier Skinheads mit einem Messer attackiert
und
brutal verprügelt. Die vier Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren
schlugen so lange auf ihr Opfer ein, bis es bewusstlos liegen blieb. Der
26 - jährige Student war auf dem Weg in ein Lokal, als er von den
Skins angestänkert wurde. Daraufhin schwang er sich auf sein Fahrrad
und ergriff die Flucht. Nach rund drei Kilometern bemerkte er, daß
er verfolgt wurde. Doch da war es bereits zu spät: einer der Skinheads
stach ihm mit einem Messer in den Oberschenkel. Daraufhin stürzte
der Nigerianer vom Fahrrad und wurde am Boden liegend so lange mit Springerstiefeln
getreten, bis er bewusstlos wurde. Die Ärzte stellten neben der Stichwunde
auch Verletzungen im Augenbereich und eine Gehirnerschütterung fest.(Quelle:
Tiroler Tageszeitung vom 16.3.)
34.Wien
- Harte Worte fand, der Wiener FPÖ-Obmann Hilmar Kabas für Bundespräsident
Thomas
Klestil. In einer Wortmeldung beim 26. Ordentlichen Landesparteitag der
FP bezeichnete Kabas das Staatsoberhaupt als "Lump", weil dieser
seine Ernennung zum Verteidigungsminister verhindert habe. "Er hat sich
wie ein Lump benommen und es ist eine Schande, dass wir so einen Präsidenten
haben", sagte Kabas wörtlich. Von der APA danach zu dieser Aussage
befragt, meinte Kabas: "Ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Das war
eher ein Geblödel. Lump habe ich aber im Zusammenhang mit Klestil
nicht gesagt. Es war so etwas wie Hump oder Dump, aber so genau weiß
ich das nicht mehr."
35."Die
anderen EU-Außenminister müssen uns spüren. Sie
müssen
spüren, dass es in Österreich nicht nur Kniefällige gibt."
(J. Haider 7/5/00) Der
Spitzenkandidat der FPOe Burgenland, ... Rauter verglich die EU-Beitrittskanditaten
mit „faulen Äpfeln“. Haben wir bald Krieg oder was?
36.Am
8.März wurde die Ausländerberatungsstelle der Grünen Partei
in der Eggerthgasse in Wien nach einem anonymen (!) Anruf, wonach ein "Schwarzafrikaner
beim Hantieren mit einer Pistole" beobachtet worden wäre, von Polizisten
gestürmt. Obwohl kein Schwarzafrikaner vor oder im Lokal
war, wurden die Ausweise der anwesenden
Personen kontrolliert und 8 Beratungssuchende in Schubhaft überstellt.
Dieser Übergriff bedeutet eine neue Qualität. Nicht nur, dass
das erste Mal ein Parteilokal einer parlamentarischen Oppositionspartei
ohne
richterlichen Befehl durchsucht wurde, sind in Zukunft Beratungsstellen,
die sensible Bereiche, wie z.B. Flüchtlings- und Drogenberatung, Bewährungshilfe,
etc. abdecken, in ihrer Arbeit und mit ihnen ihre KlientInnen schwer bedroht.
Auch bei diesem Übergriff stellt sich die Frage nach einem politischen
Zusammenhang. Am 2.März., bei der sogenannten Opernballdemonstration,
filmte ein Kameramann im Auftrag des parlamentarischen Klubs der Grünen
Partei zufällig eine Verhaftung von 2 Männern auf dem Nachhauseweg
durch vermummte Polizisten, die diese mit gezogener Pistole aus einem Taxi
zerrten. Der Film wurde veröffentlicht und zwei parlamentarische Anfragen
der Grünen Parteibezüglich
vermummter Polizisten und ihres Einsatzes innerhalb der Demonstrationen
gegen die jetzige Regierung und bezüglich der Verhaftungsgründe
folgten.
37.London/Wien,
24/03/2000 - Massive Vorwürfe gegen die Österreichischen
Behörden erhebt die Menschenrechtsorganisation amnesty international
in einem neuen Bericht: Aufgezeigt werden darin Fälle von Misshandlungen
durch Exekutivbeamte mit Pfefferspray, Schlägen und Tritten. Die Behörden
hätten keine Konsequenzen gezogen und es bisher verabsäumt, Misshandlungen
einen Riegel vorzuschieben, kritisiert ai.Nachdem sich der UN-Ausschuss
gegen Folter im November mit Vorwürfen aus Österreich beschäftigt
hat, ergänzt nun amnesty international dessen Ergebnisse mit Fällen,
die die Menschenrechtsorganisation aufgearbeitet hat. Augenzeugen ebenso
wie medizinische Beweise unterstreichen die Verdachtsmomente zu Misshandlungen
durch Polizeibeamte. Die Opfer der Übergriffe waren in der Mehrheit
Farbige und wurden häufig auch rassistisch beschimpft. ai kritisiert
vor allem die schleppenden Untersuchungen nach Misshandlungen. "Die
Untersuchungen sind nicht nur viel zu langsam, sie sind oft auch nicht
wirklich sorgältig durchgeführt worden," meinte Mag. Heinz Patzelt,
Generalsekretär von ai Österreich, bei der Präsentation
des Berichtes "Österreich vor dem UN-Ausschuss gegen Folter - Verdachtsmomente
zu polizeilichen Misshandlungen". Nur in wenigen Fällen wurde das
Verhalten der Beamten von einem unabhängigen Gericht geklärt.
Im Gegenzug aber müssen Opfer mit Gegenklagen und Diffamierungen rechnen.
So wurde auch Raymond A. wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung
und Sachbeschädigung angeklagt, nachdem er von Polizisten misshandelt
worden war. Herr A. hatte im Juli in St. Pölten bei seinem Auto auf
seine Frau und seine zwei Kinder gewartet, als Polizisten ihn aufforderten,
die Ausweispapiere vorzuweisen. Nachdem er ihnen gesagt hatte, dass diese
im Wagen wären und er die Dienstnummer der Polizisten verlangt hatte,
eskalierte die Situation. Raymond A. wurde dabei zu Boden geworfen und
getreten. Pfefferspray kam zum Einsatz. Schließlich landete er für
26 Tage hinter Gittern, weil er die Beamten beleidigt habe. Er wurde darüber
hinaus zu einer bedingten Gefängnisstrafe von acht Monaten verurteilt.
Das Fehlen von klaren Anweisungen und genauen Verhaltens-Richtlinien bei
Abschiebungen bemängelt ai in Zusammenhang mit dem Tod des Nigerianers
Marcus Omofuma: Er starb auf dem Flug nach Sofia, nachdem er bis zur Bewegungsunfähigkeit
an den Sessel gefesselt und ihm der Mund mit Klebeband verklebt worden
war. Besorgt zeigt sich die Menschenrechtsorganisation auch über die
rassistische Sprache, die mit den Misshandlungen zum Teil einhergeht. Die
Österreichschen Behörden wurden deshalb wiederholt dazu aufgefordert,
Maßnahmen zu ergreifen, um diese Tendenzen zu stoppen. Schon nach
der Misshandlung von "Dr. C" im November 1998, der als "Nigger" beschimpft
worden war, forderte ai entsprechende Schritte. Neben der Kritik, die erhoben
wird, gibt amnesty international im Bericht aber auch Empfehlungen ab,
die Misshandlungen in Zukunft unterbinden könnten. Objektivierte Beschwerdeverfahren,
eine Verbesserung der Ausbildung der Polizeibeamten und des Untersuchungsverfahrens,
der Zugang zu einem Rechtsanwalt und zu einem Arzt umgehend nach der Festnahme,
aber auch die Einführung von audiovisuellen Aufnahmegeräten bei
Verhören sind Punkte, die nach Ansicht von ai zu einer besseren Durchsetzung
der Menschenrechte beitragen würden.
38.Im
Laufe der Verhaftungen vom 2.März wurde erstmals die Arbeit einer
verdeckt arbeitenden Sondereinheit der Polizei, des SEK (Sondereinheit
Kriminaldienst), öffentlich. Diese Gruppe, deren Aufgabe laut
"Der Kriminalbeamte 3/2000" das "Observieren und der Zugriff" ist, wurde
am 1.
Feber
dieses Jahres für 6 Monate nach deutschem Vorbild probeweise installiert.
Bis jetzt besteht diese Einheit aus 55 Kriminalbeamten mit speziellen Kenntnissen
und spezieller Ausbildung auf freiwilliger und unbezahlter Basis.
Es soll auf 100 Beamte aufgestockt werden.
39.Die
Art und Weise dieser Festnahme - Menschen mit gezogener Waffe aus einem
Taxi zerren und möglichst schnell und ohne Zeugen in einem Zivilauto
abtransportieren - erinnert an das "Verschwindenlassen" Oppositioneller
in faschistischen Regimes. Genauso die Festnahme einer jungen Frau eine
halbe Stunde vorher. Diese befand sich alleine in der Nähe des Burggartens,
als plötzlich ein Mann aus einem Taxi sprang und er und ein zweiter
Zivilpolizist mit Brachialgewalt versuchten, sie in das wartende Taxi zu
zerren. Durch aufmerksame PassantInnen wurde diese Aktion vereitelt, es
kam zu einem großen Polizeiaufgebot
und die Frau wurde in einem Zivilauto abtransportiert.
40.Polizeipräsident
Stiedl musste im Rahmen der Veröffentlichung des Filmmaterials über
die Verhaftung zugeben, dass es vermummte Polizisten innerhalb der
Demonstrationen gäbe. Auf dem Film über die Verhaftungen vom
2.3. ist auch ersichtlich, dass die später dazu gestoßenen uniformierten
Polizisten, auch höheren Ranges,hinsichtlich
der Identität der drei vermummten Personen, die die Festnahmen
durchführten, unsicher waren
- ein Hinweis, dass diese Sondereinheit isoliert arbeitet.
41.Wien,
29/03/2000 – Große Besorgnis lösen bei amnesty international
(ai) Medienberichte aus, die aufzeigen, dass Polizeibeamte, die mit Misshandlungsfällen
in Zusammenhang gebracht werden, weiterhin ihren Dienst in einer Sondereinheit
versehen. "Es erweckt den Anschein, dass Menschenrechtsverletzungen in
Österreich als Bagatelldelikt betrachtete werden," meint Mag. Heinz
Patzelt, Generalsekretär von ai-Österreich. "Wenn Beamte, die
wegen Misshandlungen von Menschen vor dem Richter stehen, aufgewertet werden,
ist das ein Signal in die völlig falsche Richtung." Erst in der vergangenen
Woche präsentierte ai einen Themenbericht zu Österreich, der
Probleme in Zusammenhang mit Misshandlungen durch die Polizei analysiert..Den
Medienberichten zufolge sind Polizeibeamte, gegen die Beschwerden wegen
Misshandlungen eingebracht wurden, nun in der "Sondereinheit Kriminaldienst"
SEK im Einsatz. Als "Vermummte" mischten sie sich bei der Opernball-Demonstration
unter die Demonstranten und verhafteten zwei Personen. Mit einigen der
Misshandlungsfälle, die diesen Beamten vorgeworfen werden, ist der
Unabhängige Verwaltungssenat (UVS) derzeit noch beschäftigt.
Die strafrechtliche Konsequenz fehlt allerdings häufig."Anstatt seriöse
Aufklärung und unparteiische Untersuchungen anzustreben, werden Beamte
positiv herausgestellt", ist Patzelt erstaunt. "Wenn sie noch dazu in einer
elitären Einheit ihren Dienst versehen, wirkt das wie ein Freibrief
für das Misshandeln von Menschen". Wenn Menschenrechtsverletzungen
ernsthaft verhindert werden sollten, meint ai, dann müsse zu allererst
klargestellt sein, dass konkrete Sanktionen drohen, wenn Polizeibeamte
Menschen geschlagen, geprügelt oder getreten haben. ai spricht sich
dagegen aus, dass Exekutivbeamte schon durch eine Anzeige mit einem Karriereknick
zu rechnen haben, eine Beförderung sei aber ebenso auszuschließen.
Wenn ein unabhängiges Gericht zu dem Schluss kommt, dass die Gewaltanwendung
ungerechtfertigt war, müssten auf jeden Fall Konsequenzen folgen.
"Wenn der Verdacht besteht, dass Menschen misshandelt wurden, sollte ein
unabhängiges Gericht für Aufklärung
42.Aktion
scharf
in der Homosexuellen Szene. Am 16. März 2000 um 02:00 Uhr früh
zu einer "Aktion Scharf" in der Amigo Nacht Sauna, Hofmühlgasse 7,
1060 Wien, der Wiener Exekutive. In den frühen Morgenstunden wurde
der dienst-habende Kellner von zwei Uniformierten Beamten aufgefordert
den Betrieb "wegen gleichgeschlecht-licher Unzucht" sofort einzustellen.
Mit lautem Klopfen und einer taghellen Beleuchtung wurden die noch anwesenden
Gäste zum sofortigen Verlassen des Betriebes aufgefordert. Ebenfalls
soll laut Aussage der Besucher die Magazine "Bussi" und "Xtra" beschlagnahmt
worden sein.
43.Durch
die Aufrechterhaltung des diskriminierenden Mindestalters für
homosexuelle Beziehungen unter Männern (es liegt bei 18 Jahren, während
es für Heterosexuelle und Lesben bei 14 Jahren liegt) verstößt
Österreich gegen die Europäische Menschenrechtskonvention.
Ein derartiges unterschiedliches Mindestalter wurde von der Europäischen
Menschenrechtskommission 1997 aufgrund einer britischen Beschwerde als
Konventionsverletzung eingestuft. 1998 hat auch der UNO-Ausschuß
für Menschenrechte Österreich zur Streichung des § 209 StGB
aufgefordert. Österreich hat nicht nur die Entscheidungen dieser beiden
internationalen Menschenrechtsorgane ignoriert, sondern auch entsprechende
Aufforderungen des Europäischen Parlaments. Insgesamt fünfmal
hat das EP ausdrücklich und namentlich an Österreich appelliert,
diese menschenrechtswidrige Bestimmung abzuschaffen, zweimal hat das EP
Österreich aufgefordert, alle nach § 209 StGB inhaftierten Personen
unverzüglich zu begnadigen und freizulassen.
Hier liegt also eine schwerwiegende
und anhaltende Menschenrechtsverletzung vor. Für diesen Fall sieht
Artikel 7 EU-Vertrag die Suspendierung von bestimmten Rechten des betreffenden
Mitgliedsstaates vor.
44.In
der Präambel zum ÖVP-FPÖ-Koalitionsabkommen bekennt sich
die neue Regierung zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit
Österreichs. Das muss auch für die homosexuellen Opfer des
NS-Regimes gelten. Noch 1995 haben ÖVP und FPÖ jedoch eine
Wiedergutmachungsregelung für die wegen ihrer sexuellen Orientierung
Verfolgten im Opferfürsorgegesetz verhindert. Wir fürchten
daher, daß ohne Druck vom Ausland dieses Bekenntnis für die
lesbischen und schwulen Opfer des Nationalsozialismus folgenlos bleiben
wird.
45.Klagenfurt
– Die von FPÖ und ÖVP beschlossene Kinderscheck-Version
ist zutiefst rassistisch. Ausländische, nicht aus der EU stammende
Mütter werden nach dem Willen von FPÖ und ÖVP den Scheck
erst dann erhalten, wenn sie mindestens vier Jahre in Kärnten wohnen.
Diese Ungleichbehandlung aufgrund der Herkunft ist eine rassistische Diskriminierung,.
Ein Mißbrauch der Kinderscheckregelung sei ja ausgeschlossen, weil
Ausländer aufgrund der menschenverachtenden Zuzugsquote (60 Personen
im Jahr 2000) gar keine Möglichkeit haben, legal nach Kärnten
zu kommen, um die Förderung zu beantragen. Die Regelung widerspricht
klar dem Geist der Präambel des Regierungsabkommens, wo sich die Koalition
gegen Rassismus ausspricht. Der nationale Schulterschluß bekommt
durch Haider eine neue Bedeutung, indem Menschen anderer Nationalitäten
in Kärnten ausgegrenzt werden. AusländerInnen müssen in
Kärnten dieselben Rechte haben, weil sie auch dieselben Pflichten
haben und auch dieselben Steuern an den Fiskus abliefern.
46.Mölzer,
Ein
rechtsextremer Journalist in der Rolle des "Kulturberaters"
oder "Kulturbeauftragten" des Kärntner Landeshauptmannes schadet dem
Ansehen des Landes, ist demokratiepolitisch bedenklich und stellt eine
Brüskierung der Kulturschaffenden dar) Andreas Mölzer vertritt
und verbreitet als Journalist und Publizist rechtsextremes Gedankengut.
Rassistische und deutschnationale Ansichten gehören zum Standardrepertoir
seiner Aufsätze. Seine Warnung vor drohender "Umvolkung" durch Einwanderung
oder vor der Gefahr eines "brasilianischen Modells" in Europa als
die "völlige ethnisch-kulturelle Vermischung und Nivellierung auf
dem simpelsten zivilisatorischen Nenner" sind nur zwei Beispiele einer
langen Reihe inakzeptabler Äußerungen. Daß Mölzer
kürzlich als Chefredakteur der Zeitschrift ZUR ZEIT wegen Verhetzung
(§ 283 StGB) angezeigt wurde, ist kein Zufall. Seine Gedankenwelt
ist hinlänglich dokumentiert. Die Einsetzung Mölzers als
"Kulturberater" der Landeshauptmannes stellt eine Aufwertung rechtsextremer
Standpunkte dar und schadet dem Ansehen Kärntens. Als vielbeschäftigter
Kolumnist der Kronen-Zeitung lässt Andreas Mölzer (bisweilen
auch unter dem Pseudonym NORICUS) kaum eine Gelegenheit aus, mißliebige
KünstlerInnen und Kultureinrichtungen anzugreifen und zu denunzieren.
Auch an der Medienkampagne gegen Cornelius Kolig war Mölzer maßgeblich
beteiligt. Wer von Kunstwerken als "Schmiererei" oder "Analkunst"
schreibt, die Kunst als "Hure" und zeitgenössische Künstler als
"Zirkusdirektoren", "Sensibelchen", "Großpoetinen" etc. bezeichnet,
stellt nur seine Ressentiments gegen die moderne Kunst unter Beweis
und hat sich für die Funktion eines"Kulturberaters" längst selbst
disqualifiziert. Andreas Mölzer ist als "Kulturberater" unmittelbar
in die Entscheidungen über die Kulturförderungen des Landes Kärnten
eingebunden. Förderungsansuchen werden von ihm bewertet. Er vertritt
fallweise den Kulturreferenten bei Gesprächen mit Kulturschaffenden
und übt so eine quasi "amtliche" Funktion aus. Es ist dies eine demokratiepolitisch
bedenkliche Konstellation. Außerdem nützt Mölzer
die ihm dadurch zugänglichen Informationen ? etwa Subventionsansuchen,
die ausschließlich an die Kulturabteilung adressiert waren
? für Glossen und Kommentare in der "Kärntner Krone". Hier
liegt, wenn nicht eine Verletzung des Amtsgeheimnisses, so doch eine
Vermischungunvereinbarer Funktionen vor. Es mag das Recht eines Landeshauptmannes
sein, sich von Konsulenten seines persönlichen Vertrauens beraten
zu lassen, im Falle Mölzer ist allerdings nicht einzusehen, dass dies
mit nicht unbeträchtlichen öffentlichen Mitteln geschieht (Jahreshonorar
360.000.?). Immerhin definiert das Kärntner Kulturförderungsgesetz
das Kärntner Kulturgremium als die eigentliche (mit Experten
aus der Kulturszene besetzte) Beratungsinstanz des Kulturreferenten
bzw. der Landesregierung. Die Funktion eines zusätzlichen "Kulturberaters"
ist in den Bestimmungen nicht vorgesehen. Die Installierung eines
solchen Postens kommt daher einer Abwertung des Kulturgremiums gleich.
Sollte der Landeshauptmann allen Einwänden zum Trotz an Andreas Mölzer
als "Kulturberater" festhalten, könnte dies entweder als Eingeständnis
eigener fachlicher Defizite oder als bewußte Provokation der kulturellen
Szene gewertet werden. Damit wäre wohl die mangelnde Eignung Jörg
Haiders für das Amt des Kulturreferenten bewiesen.
47.Stellungnahme
des Caritaspraesidenten zum Koalitionsvertrag der Regierungsparteien Gegenwaertig
erleben wir in OEsterreich eine Umbruchphase in der Politik, die Verunsicherung
und Polarisierung mit sich bringt. In diesen Zeiten der Unuebersichtlichkeit
besteht noch mehr als sonst die Gefahr, dass die Schwaechsten unter die
Raeder politischer Auseinandersetzungen geraten. Die Aufgabe der Caritas
ist es, konkrete Hilfe von Mensch zu Mensch zu leisten. Caritas bedeutet
aber nicht nur direkte Hilfe, sondern auch zu benennen, wodurch Not und
Ungerechtigkeit entstehen. Die politische Vertretung fuer jene, deren Stimme
zu leise ist, ist eine heikle Aufgabe. Im Umgang mit politisch Verantwortlichen
haelt sich die Caritas daher an folgende Regel: Soviel Zusammenarbeit wie
moeglich, soviel Kritik wie unbedingt noetig. Die Voraussetzung fuer gute
Zusammenarbeit ist allerdings: Politik muss den Zusammenhalt der Gesellschaft
foerdern und nicht Spaltungen vorantreiben. Das Regierungsprogramm
von OEVP und FPOE ist generell vage formuliert, und dort, wo es um besonders
benachteiligte Gruppen geht, von geringer sprachlicher Sensibilitaet, mangelnder
Differenziertheit und Sachkenntnis gepraegt. Es wird generell Missbrauch
unterstellt, waehrend Luecken im sozialen Netz ausser acht gelassen werden
und Massnahmen zur Armutsvermeidung weitgehend fehlen.
48.Die
Caritas bedauert, dass die Grundhaltung des Sozialkapitels ein allgegenwaertiger
Missbrauchsverdacht
ist. Durch Privatisierung des AMS, Kuerzung der Mittel und die Vermittlungspraemie
fuer AMS-Mitarbeiter besteht die Gefahr, dass schwer vermittelbare Arbeitslose
kaum mehr betreut werden. Die Kosten der AMS-Privatisierung zahlen die
Laender und Gemeinden ueber ihre Sozialhilfebudgets. Die Einfuehrung einer
Arbeitspflicht ist wirkungslos, weil Langzeitarbeitslose durch koerperliche
und seelische Beeintraechtigungen, Alter und familiaere Verpflichtungen
schwer vermittelbar sind. Diese Wettbewerbsnachteile werden durch die Arbeitspflicht
nicht beseitigt, sondern verstaerkt. Eine Erhoehung des Selbstbehaltes
auf bis zu 20 Prozent haette fuer chronisch Kranke und damit fuer in ihrer
Erwerbsfaehigkeit beeintraechtigte oder arbeitslose Personen existenzbedrohende
Folgen.
Caritasdirektor
Landau: Die Kirche, die sich dem "Einsatz fuer soziale Gerechtigkeit" verpflichtet
wisse, werde genau schauen, was an Massnahmen "auf uns zukommt". Sollte
sich zeigen, dass bei den Schwaechsten gespart wird, dann werde die Kirche
"Widerstand" leisten
49.CARITAS:
Das Kapitel "Integration" ist inhaltlich duenn. Es beinhaltet zwar
sechs Unterpunkte zur Frage der Deutsch-Kenntnisse von Migranten, vergisst
aber jeden Hinweis auf von OEsterreich zu unterstuetzende Entwicklungen
auf europaeischer Ebene, darunter den Vorschlag der Kommission fuer eine
Richtlinie zur Familieneinheit. Der Abschnitt "Innere Sicherheit und Integration"
entspricht nicht europaeischen Standards, weil er die Beschluesse zur Umsetzung
des Vertrags von Amsterdam in Fragen der Harmonisierung des Asylrechts
nicht beruecksichtigt. Positiv bewertet wird der Wille zur "Aufarbeitung
der noch offenen Antraege zur Familienzusammenfuehrung". Sinnvoll wird
diese Regelung erst dann, wenn Familienangehoerige von niedergelassenen
Auslaendern, die seit mehr als einem Jahr auf Zusammenfuehrung warten,
mit einer Sonderquote nach OEsterreich duerfen. Der "raschen und gesetzeskonformen
Umsetzung des Asylrechts" stimmt die Caritas zu. Allerdings kann das nur
verwirklicht werden, wenn die Asylbehoerden aufgestockt werden, eine Qualitaetsoffensive
fuer Mitarbeiter des Bundesasylamts startet und wenn wesentlich mehr Asylberater
zur Verfuegung stehen.
50.An
den Zuständen in der Schubhaft ändert sich hingegen wenig - Nach
wie vor sind die Umstände haarsträubend, nach wie vor
sitzen Flüchtlinge bis zu sechs Monate in Schubhaft, sind der Willkür
ausgesetzt, nach wie vor werden Menschen in ihr Heimatland abgeschoben,
obwohl ihnen dort Verfolgung und Gewalt droht. Und trotz der internationalen
Kritik - die Asylkoordination Österreich hat mit Unterstützung
durch die INICEF eine Studie über Minderjährige Flüchtlinge
in Österreich erstellt, worin die Inschubhaftnahme von Minderjährigen
- im letzten Jahr waren es über 700 - heftig kritisiert wird. Oder
die Kommission zur Verhütung von unmenschlicher Behandlung und Folter
des Europarates, die schon zweimal die Schubhaftpraxis in Österreich
heftig kritisiert hat."Für einen demokratischen Staat unwürdig"
und als "Incommunicado Haft" - als Haft ohne geregelte Besuchsrechte -
wurde sie schon bezeichnet. Eine Menschenrechtsexpertin, die Österreichs
Schubhaftzellen kennen gelernt hat, meinte nur schockiert: Das wird nur
noch afrikanischen und lateinamerikanischen Militär- und Foltergefängnissen
übertroffen. (Von ZEBRA)
51.Es
war wohl zu erwarten, dass der Wiener Integrationsfonds das Koalitionsübereinkommen
zwischen FPÖ und ÖVP im Abschnitt der Integrationspolitik einer
genaueren Analyse unterziehen wird. Wir haben uns in der Analyse an die
Systematik des Koalitionspapiers von FPÖ und ÖVP gehalten. Lediglich
am Beginn gibt es einen grundsätzlichen Verweis auf die EU, und am
Schluss wurde ein Bezug in einem weiteren Kapitel zu jenem Punkt (Karenzgeld)
hergestellt, der auch Auswirkungen auf nicht-österreichische Staatsbürger
(„Drittstaatsangehörige“) haben kann. Nun, die Stellungnahme liegt
vor, bedarf aber einiger grundsätzlicher Anmerkungen dazu, wie diese
Koalition offensichtlich mit dem Thema „Integration“ umzugehen gedenkt.
Ein erster augenfälliger Rückschritt ist in der Kapitelzuteilung
zu registrieren. Der Abschnitt Integration findet sich in diesem Koalitionsübereinkommen
im Kapitel „Innere Sicherheit und Integration“. Ein Rückschritt insofern,
als bis zum Jahr 1994 diese Zuteilung die Norm war, mit dem Parteienübereinkommen
zwischen SPÖ und ÖVP von 1996 das Kapitel Integration zu Recht
eigens ausgewiesen wurde, damals unter der Überschrift „Integration
vor Neuzuzug“.
Ein
zweiter als negativ zu bewertender Aspekt besteht darin, dass die wesentlichen
Grundzüge dieses Integrationsabschnitts im vorliegenden Übereinkommen
von einem Prinzip des Law and Order einerseits und von einem ausschließlichen
Denken in Problemkategorien andererseits geprägt sind. In keinem Wort
findet sich ein Hinweis auf die Notwendigkeit von Neuzuzug, noch findet
sich ein Verweis auf europäische Standards, noch lässt sich aus
diesem Abschnitt ableiten, dass Zuwanderung dieses Land über Jahrzehnte
hinweg auch im ökonomischen Sinne reicher gemacht hat.Die kritische
Beleuchtung dieses Koalitionspapiers muss aber auch darauf verweisen, was
nicht angesprochen wird:kein Wort
von Rechten der Migrant/innen, weder von Menschen- noch von Mitbestimmungsrechten,
kein Wort zu Antidiskriminierung, kein Bezug auf die gesellschaftspolitische
Dimension von Integration, kein Wort zur Informationspflicht der Bundesregierung
gegenüber der einheimischen Bevölkerung, kein Wort zu antirassistischer
Bildungsarbeit; kein Wort zu einem Integrationsbeauftragten auf Bundesebene.
All dies sind jene Punkte, an denen der Wiener Integrationsfonds die Ernsthaftigkeit
einer Zukunftsorientierten Integrationspolitik jeder Bundesregierung misst
und auch in Hinkunft messen wird. Das Fazit ist somit eindeutig. Der Abschnitt
Integration lässt in der überwiegenden Mehrheit der aufgezählten
Punkte des Koalitionsübereinkommens einen deutlichen Rückschritt
in der Integrationspolitik dieser Bundesregierung erkennen. Diese Politik
ist jedenfalls nicht in die Zukunft gerichtet, sondern kehrt unter Missachtung
der zwischenzeitlich gegebenen Realitäten zurück in die Anfangszeiten
der Arbeitsmigration (Rotationsprinzip am Arbeitsmarkt). Max Frisch war
es, der bereits in den 70er Jahren den legendären Satz geprägt
hat: „Arbeitskräfte haben wir gerufen, Menschen sind gekommen.“
An diesen Satz zu erinnern ist notwendiger denn je.
52.
53.Recht
und Vollzug: Abgesehen vom Bekenntnis zur Genfer Flüchtlingskonvention,
das eigentlich selbstverständlich sein sollte, werden unter dieser
Überschrift durchwegs Negativbotschaften transportiert. Den
Ausführungen zufolge ist davon auszugehen, dass man primär an
einen restriktiveren Vollzug des Asylgesetzes denkt. Im Bereich
der de-facto-Flüchtlinge wird klargestellt, dass keine Bereitschaft
zu groß angelegten Hilfsaktionen im Alleingang gegeben ist. Klargestellt
wird auch, dass im Rahmen staatlicher Aufnahmeaktionen keinerlei weitere
rechtliche Möglichkeiten einer dauernden Niederlassung für de-facto-Flüchtlinge
geknüpft werden sollen, wie dies etwa im Rahmen der „Bosnien-Aktion"
oder der Kosovo-Albaner-Verordnung der Fall war. Im Bereich des Asylrechts
wird insbesondere die rasche und gesetzeskonforme Umsetzung des Asylgesetzes
betont, wenn dann aber in weiterer Folge von der Schaffung entsprechender
Voraussetzungen die Rede ist, bleibt eine genauere Erklärung aus.
Auch sonst enthalten die Ausführungen zum Asylbereich wenig Konkretes.
Insgesamt entsteht der Eindruck, dass Schnell-Verfahren geschaffen werden
sollen, was jedenfalls negative Konsequenzen für die Rechtssicherheit
befürchten lässt. 54.Weiters
plant die Regierung ein verstärktes und strengeres Vorgehen gegen
Schlepperei.
Die Absicht einer konsequenten strafrechtlichen Ahndung unter Verweis auf
die §§104, 105 FrG 1997 stellt klar, dass der Tatbestand der
gerichtlich strafbaren Schlepperei ausgedehnt werden soll. Der Hinweis
auf die Überprüfung der Ausnahmebestimmungen lässt darauf
schließen, dass zumindestens Überlegungen angestellt werden,
die §104 Abs.4 und §105 Abs.3 FrG, wonach der/die „Geschleppte"
ausdrücklich von einer Strafbarkeit ausgenommen wird, zu modifizieren
bzw. überhaupt zu streichen. Ein solcher Schritt, nämlich das
Opfer
selbst ebenfalls strafbar zu machen, ist jedenfalls schärfstens zu
verurteilen. 55.Im
letzten Punkt dieses Abschnitts werden völlig undifferenziert effiziente
Maßnahmen gegen Illegalität als Zielsetzung angegeben.
Man lässt etwa jene Personen unberücksichtigt, die aufgrund der
geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen durch das Aufenthaltsgesetz
1993 „illegalisiert" wurden, obwohl sie teilweise schon jahre- bis
jahrzehntelang legal in Österreich lebten. Für diese Menschen
wäre eine generelle Sanierungsregelung im FrG 1997 äußerst
wünschenswert. Insgesamt ist der Abschnitt Recht und Vollzug von Wörtern
wie rasch, gesetzeskonform, konsequent, effizient, effektiv gekennzeichnet
und ist insofern klares Abbild der Law and Order Politik, die sich eine
Seite später, im Bereich Vollzug des Fremdenrechts erneut sehr deutlich
manifestiert. 56.Zuwanderung
und Beschäftigung: Der Grundsatz Integration vor Neuzuzug soll
auch unter dieser Regierung Fortsetzung finden. Die beabsichtigte Bevorzugung
österreichischer Staatsangehöriger im Beschäftigungsbereich
entspricht bereits geltendem Recht.Auch
die Bevorzugung bereits legal in Österreich lebender, entsprechend
qualifizierter Ausländer stellt keine Neuerung dar. Der legale Aufenthalt
ist für die Erteilung einer Beschäftigungsbewilligung auch derzeit
Voraussetzung und damit Voraussetzung für den erstmaligen Zugang zum
Arbeitsmarkt. Durch den Passus „entsprechend qualifiziert" wird aber verdeutlicht,
dass die Bevorzugung primär auf Fachkräfte abstellt. Anderen,
weniger
qualifizierten MigrantInnen wird damit eine indirekte Absage erteilt.Das
Vorhaben, durch ein Gutachten die Möglichkeiten und Auswirkungen eines
erleichterten Zugangs für MigrantInnen zum Arbeitsmarkt einer Prüfung
unterziehen zu wollen, ist dann zu begrüßen, wenn damit eine
unvoreingenommene Intention verbunden ist und das Gutachten nicht dazu
dienen soll, den restriktiven Zugang zum Arbeitsmarkt weiterhin zu legitimieren.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, auf die Expertise des WIFO von August
1999, die im Zuge der NLV 2000 vom BMI in Auftrag gegeben wurde, zu verweisen.
Dieses Gutachten kommt zu dem Schluss, dass der Zugang zum Arbeitsmarkt
für MigrantInnen aufgrund der restriktiven Regelungen und des
restriktiven Vollzugs extrem eingeschränkt ist , dass ein erleichterter
Zugang aus arbeitsmarktpolitischen Gründen jedoch zu befürworten
wäre. 57.Das
Regierungsprogramm nimmt an zwei Stellen Bezug auf SaisonarbeitnehmerInnen.
Im Abschnitt Zuwanderung und Beschäftigung findet sich zunächst
lediglich der Kommentar, die Regelung sei unter der Voraussetzung, dass
keine geeigneten inländischen Arbeitslosen vermittelbar sind, als
positiv zu werten. Diese Bedingung, wonach der saisonale Bedarf an Arbeitskräften
primär aus dem im Inland zur Verfügung stehenden Arbeitskräftepotential
abgedeckt werden soll, ist im geltenden Recht bereits normiert.Die
Frage, ob man mit inländischen Arbeitslosen lediglich österreichische
StaatsbürgerInnen meint bzw. wie der Zusatz „keine geeigneten" zu
verstehen ist, wird im Koalitionsübereinkommen nicht beantwortet.
Eine Klärung dieser offenen Fragen findet sich auch nicht in den weiteren
Ausführungen zu den Saisonarbeitskräften. Diese finden sich bezeichnenderweise
nicht unter dem Abschnitt Integration, sondern unter dem Kapitel Wirtschaftsstandort
Österreich. Unter der Überschrift unbürokratische Regelung
für Saisoniers wird grundsätzlich wiederholt, was bereits geltendes
Recht ist. Neu ist die Einführung einer Quote für ErntehelferInnen
in der Höhe von max. 7.000 Bewilligungen jährlich sowie die Möglichkeit,
die Anzahl von Bewilligungen für SaisonarbeiterInnen für die
Jahre 2000 und 2001 auf 8.000 zu erhöhen; in der geltenden Niederlassungsverordnung
für 2000 sind 5.500 Quotenplätze vorgesehen. Diese Absicht steht
in einem Spannungsverhältnis zur von der Regierung gesondert hervorgehobenen
Bevorzugung inländischer Arbeitsloser und zwar insofern, als die enorme
Erhöhung der Quote auf die beabsichtigte Abdeckung des Bedarfs aus
dem Ausland schließen lässt.Mit
dem Passus sofern keine geeigneten inländischen Arbeitslosen verfügbar
sind lässt sich die Regierung hier alle Möglichkeiten offen.
Grundsätzlich bedeutet die „Saisoniersregelung" keine Neuerung, sondern
entspricht geltendem Recht. Es handelt sich hier um eine Regelung, die
eine nachhaltige Absicherung des sozialen Status bzw. die Integration
am Arbeitsmarkt nicht zulässt, etwa weil die als Saisonier zurückgelegten
Zeiten nach dem AuslBG nicht angerechnet werden können. 58.Die
Ausführungen zum Bereich der Familienzusammenführung sind
in sich schlüssig. Besteht die Absicht, den Neuzuzug gegen Null
senken zu wollen, so reduziert sich der Familiennachzug per se. Auffallend
ist die Art der Formulierung „...Gesamtquote...nicht mehr erforderlich...kann
daher deutlich abgesenkt werden". Dadurch wird der Eindruck erweckt, als
würde man sich lediglich an einer natürlichen Entwicklung orientieren.
Für anhängige Verfahren, womit wohl die Anträge jener Familienangehörigen
gemeint sind, deren Bezugsperson bereits vor dem 1.1.1998 in Österreich
niedergelassen war, wurde die Quote jedenfalls zugesichert. Nach Auskunft
der Magistratsabteilung 20 werden in Wien derzeit Anträge auf Familienzusammenführung
aus Mitte 1998 bearbeitet. Mit einer endgültigen Aufarbeitung noch
anhängiger Anträge kann also etwa im Jahr 2001 gerechnet werden,
eine Senkung der Quote für Wien wäre demzufolge für 2002
zu erwarten. Völlig unverständlich ist die Erklärung, der
Familiennachzug von ÖsterreicherInnen und seit längerer Zeit
rechtmäßig in Österreich aufhältigen ZuwandererInnen
innerhalb der Quote wäre vorzuziehen. Angehörige vonÖsterreicherInnen
genießen Niederlassungsfreiheit und fallen nicht unter die Quote.
Sie sind darüber hinaus berechtigt, den Antrag auf Erteilung einer
Niederlassungsbewilligung im Inland zu stellen. Die diesbezüglichen
Ausführungen im Regierungsübereinkommen sind also schlichtweg
falsch.
Eine Änderung dieser Rechtslage würde klar gegen europarechtliche
Bestimmungen verstoßen. Die beabsichtigte Vorziehung des Familiennachzugs
von „seit längerer Zeit rechtmäßig in Österreich aufhältigen
Zuwanderern innerhalb der Quote" würde eine Umsetzung des § 18
Abs. 6 FrG 1997 bedeuten und wäre grundsätzlich positiv zu bewerten.
An dieser Stelle sei jedoch darauf hingewiesen, dass Österreich als
einziger EU-Mitgliedsstaat eine Quote für den Familiennachzug nicht
begünstigter Drittstaatsangehöriger vorsieht. Die Absicht, die
Anträge von Kindern, die das 14. Lebensjahr demnächst vollenden
werden, vorziehen zu wollen, um Härtefälle zu vermeiden, ist
grundsätzlich zu begrüßen, sie impliziert aber gleichzeitig
die klare Absage an eine Anhebung der Altersgrenze. Dabei ist die in
Österreich geltende Altersgrenze von 14 Lebensjahren ohnehin die restriktivste
innerhalb der gesamten Europäischen Union. Zudem bleibt abzuwarten,
ob sich diese Regelung beibehalten lässt; der Verfassungsgerichtshof
hat jedenfalls im heurigen Jahr beschlossen, die 14-Jahre-Regelung des
§ 21 Abs. 3 FrG 1997 auf ihre Verfassungsmäßigkeit zu prüfen.
Insgesamt ist festzuhalten, dass die Ausführungen im Regierungsprogramm
zur Familienzusammenführung dem Richtlinienentwurf der Europäischen
Kommissionnicht Rechnung tragen.
Dieser sieht unter anderem einen Rechtsanspruch auf Familienzusammenführung
(und damit auch Quotenfreiheit) für Drittstaatsangehörige, die
sich für mindestens ein Jahr rechtmäßig im Gebiet der Mitgliedstaaten
aufhalten, also über einen Aufenthaltstitel mit mindestens dieser
Gültigkeitsdauer verfügen, vor. Darüber hinaus ist eine
Erweiterung des Angehörigenkreises sowie das Recht auf Zugang zu Bildung
und Erwerbstätigkeit vorgesehen. Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang
auch eine grundsätzliche Äußerung der Europäischen
Kommission in ihren einleitenden Bemerkungen zum Richtlinien-Entwurf, wonach
das Konzept des Einwanderungsstopps bisher zu keinem Zeitpunkt realistisch
oder zweckmäßig war. 59.Umfassende
Integration: Unter dem Begriff der „umfassenden Integration" versteht die
Bundesregierung nur zwei Dinge: Sprache und Kultur. Die Kenntnis der deutschen
Sprache wird dabei zur zentralen Frage der Integration hochstilisiert,
die offenbar mit autoritären Mitteln erreicht werden soll.
Verbindliche Deutschkurse und „Informationspackages ... mit verpflichtendem
Charakter" sollen von Anfang an die Integration der Zuwanderer bewirken.
Die kulturelle Integration wird als verdichtender Prozess gedacht, der
mit der feierlichen Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft
seinen Abschluss finden soll.Niemand wird bestreiten, dass das Erlernen
der Sprache des Aufnahmelandes und das Wissen über die Aufnahmegesellschaft
wichtig ist. Die Bereitschaft der Zuwanderer, die deutsche Sprache zu erlernen,
wird sich jedoch nicht erzwingen lassen, wie es die Regierung offenbar
anstrebt. Dazu bedarf es attraktiver Kursangebote, die etwa in Wien vor
allem durch die Sprachoffensiven gegeben sind, in den Bundesländern
jedoch weitgehend fehlen. Im Verständnis dieser Bundesregierung wird
Integration zur ausschließlichen Aufgabe der ZuwandererInnen.
Die Vorstellung von Integration als einer gesellschaftspolitischen Aufgabe
findet sich demgegenüber im Regierungsprogramm nicht. Es sei denn,
man interpretiert jene wenig ergiebigen Punkte, wo sich die Regierung für
die Förderung von Integration durch gemeinsame kulturelle und sportliche
Aktivitäten oder durch Hausaufgabenhilfe ausspricht und die bestehenden
Institutionen und Vereine auffordert, zur frühzeitigen Lösung
von Konflikten zwischen Österreichern und Zuwanderern beizutragen,
als Manifestationen eines derartigen Verständnisses. Allerdings weisen
die Begriffe „kulturelle" bzw. „sozio-kulturelle" Integration in eine gänzlich
andere Richtung. Hinter diesen beiden Begriffen steckt nur unzulänglich
getarnt die Aufforderung an die ZuwandererInnen zur Assimilation,
zur umfassenden kulturellen Anpassung. 60.Im
Koalitionsübereinkommen wird am Beispiel der Schule, genauer gesagt
– einige Formulierungen verraten dies – am Beispiel der Wiener Schulen,
diese
unterstellte sozio-kulturelle Andersartigkeit der ZuwandererInnen als Problem
abgehandelt. Negiert wird dabei, dass es gerade das Wiener Schulsystem
in besonderer Weise geschafft hat, die Kinder der ZuwandererInnen zu integrieren.
So hat sich etwa seit 1992 der Anteil der Schüler mit nichtdeutscher
Muttersprache, die von der Volksschule in eine AHS wechselten, verdoppelt.
Diese integrationspolitischen Erfolge werden jedoch übersehen, und
stattdessen kulturelle Differenz per definitionem zum Auslöser von
Konflikten gemacht, die im Regierungsprogramm durch eine verbesserte regionale
Verteilung und einen Richtwert von nicht mehr als 33% Anteil von SchülerInnen
mit Defiziten im Bereich der sprachlichen und sozio-kulturellen Integration
beseitigt werden sollen. Für eine Grenzziehung bei ausgerechnet 33%
gibt es keinen plausiblen und nachvollziehbaren Grund: Der Anteil an außerordentlichen
SchülerInnen liegt wienweit deutlich unter 10%. Hier dürfte offenbar
das Ausländervolksbegehren der FPÖ von 1993 Pate gestanden
haben, wo sich die Forderung nach einer Begrenzung des Anteils von Schülern
mit fremder Muttersprache fast
wortwörtlich findet. 61.Unabhängig
von diesem problematischen Integrationsverständnis, das umfassende
Integration ausschließlich über den Erwerb guter Sprachkenntnisse
sowie kultureller Kenntnisse definiert und gleichsam als Belohnung für
den „erfolgreichen" Abschluss dieses Prozesses die Einbürgerung vorsieht
und damit Integration ganz unmissverständlich als Verpflichtung
zu einseitiger kultureller Anpassung versteht, ergeben sich eine
Reihe konkreter rechtlicher Fragen .Offen bleibt, ob etwa die Verlängerung
eines Aufenthaltstitels nur bei erfolgreichem Absolvieren eines Deutsch-
oder Wissenskurses möglich ist,oder
ob in Zukunft eine Erstniederlassungsbewilligung an einen Kursbesuch gebunden
wird. Leider informiert das Koalitionsübereinkommen auch nicht über
die Folgen eines nicht bestandenen Tests. Wird in diesem Falle die Aufenthaltsberechtigung
wieder entzogen? Wird man nach einem nicht bestandenen Deutschkurs
ins Herkunftsland abgeschoben? Das vorliegende Regierungsprogramm
lässt unbeantwortet welche Informationen im Rahmen eines Integrationspackages
verpflichtend erworben werden sollen, wer die Kosten der verpflichtenden
Kursmaßnahmen zu tragen hat und wie die Einbindung in die geltende
Rechtslage erfolgen soll. Lediglich ein Punkt erscheint klar: Zur Umsetzung
dieser Forderungen bedarf es einer Gesetzesänderung, da die aktuelle
Rechtslage derartige Maßnahmen nicht vorsieht. Aus juristischer Sicht
ist die beabsichtigte „Drittelregelung" der Klassenschülerzahl besonders
interessant, da sich die Frage stellt, wie dieses Vorhaben umgesetzt werden
soll. Ist dafür eine Änderung des Schulorganisationsgesetzes
geplant, so ist fraglich, ob die Regierung dazu nicht eine 2/3-Mehrheit
benötigen würde.
Im
Regierungsprogramm ist die Unterstützung europäischer Maßnahmen
hauptsächlich im Bereich der Kriminalitäts- und Missbrauchsbekämpfung
vorgesehen. Andere, auf europäischer Ebene sehr forcierte Themen
wurden ausgespart, nämlich: Bestrebungen der EU zur Frage der Familienzusammenführung;
Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierungen sowie die Bemühungen
für eine Richtlinie zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes
ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft; politischen Partizipation;
Unionsbürgerschaft, Einbürgerung (Fristen, Doppelstaatsbürgerschaft).Erinnert
sei in diesem Zusammenhang an das von der österreichischen Bundesregierung,
der ja auch der heutige Bundeskanzler angehörte, am 16. Oktober
1999 im finnischen Tampere mitunterzeichnete Bekenntnis der EU zu einer
Weiterentwicklung der Integrationspolitik. In diesem heisst es: "Eine
energischere Integrationspolitik sollte darauf ausgerichtet sein, ihnen
(den Drittstaatsangehörigen) vergleichbare Rechte und Pflichten wie
EU-Bürgern zuzuerkennen. Zu den Zielen sollte auch die Förderung
der Nichtdiskriminierung im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen
Leben und die Entwicklung von Maßnahmen zur Bekämpfung von Rassismus
und Fremdenfeindlichkeit gehören.“