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| From: | "mayday graz" < mayday2000graz@hotmail.com > |
| Subject: | Checkpoint Graz - Protest und Repression |
| Date: | 2000-12-08 15:29:14 |
Checkpoint Graz: Protest und Repression
Report
from Graz - English summary / Reportaggio
di Graz: sommario italiano
8 von 10 Kundgebungen untersagt
Massiver Polizeieinsatz gegen gewaltfreie Blockadeversuche
Drohungen: "Pass auf, wenn ich Dich allein in einer Gasse treffe, dann: Kopfschuss!"
Festnahmen und mehrere Anzeigen
Davor: Polizeibesuch in Studierendenheimen
Ihr möglichstes getan haben die Grazer Behörden schon im Vorfeld, um Checkpoint Austria - die bundesweite Straßenblockade gegen den Budgetbeschluss - in Graz nicht stattfinden zu lassen. Die meisten Kundgebungsorte, nämlich ingesamt 8 von 10, wurden in den letzten Tagen vor der Aktion verboten, Verhandlungen erwiesen sich sehr schnell als sinnlos:
Die Polizei war nicht einmal bereit, uns auch nur eine Viertelstunde auf die von uns angemeldeten Kreuzungen zu lassen, z.T. mit Begründungen wie, dass schließlich "auch nicht ortskundige Pendler orientierungslos verkehrflusshemmend wirken" würden (zit. aus einem Gutachten der BPD Graz).
Die beiden Orte, die Polizei uns schließlich zugestand, wiesen entweder ein geringes Verkehrsaufkommen auf, waren leicht umzuleiten oder außerhalb des Zentrums gelegen.
Um den OrganisatorInnen von Checkpoint Graz, hauptsächlich Studierende der Hörsaalgruppe der K-F-Uni, von vornherein klar zu machen, wie ernst sie es meint, tauchte die Polizei vor der Aktion bei den Familien und in den Wohnungen der AktivistInnen auf: Staatspolizei erschien um halb elf in der Nacht in Studierendenheimen, läutete abends MitbewohnerInnen heraus oder verlangte von einer Mutter, ihnen eine Personenbeschreibung der Tochter zu geben, die eine Kundgebung angemeldet hatte. Sogar am Gelände der Universität hielten Polizisten zwei Leute auf, die Plakate für Checkpoint anbrachten, und drohten Anzeigen wegen Sachbeschädigung an. Über die Presse kündigte die Behörde ein hartes Durchgreifen an, sollte Checkpoint Graz wie eigentlich geplant durchgeführt werden. Sie machte ihre Drohung leider wahr:
Räumung, Festnahmen, Anzeigen
Trotz Untersagungen und den Einschüchterungen im Vorfeld versammelten sich
über 100 Leute um 6 Uhr früh am Europaplatz, um mit ihrem Protest gegen den
Sozial- und Bildungsabbau auf die Straße zu gehen, oder besser: auf die
Kreuzung. Ihnen stand ein Aufgebot von mindestens 100-150 Einsatzpolizisten
gegenüber, die den Zug sofort umgaben.
Als sich die DemonstrantInnen am Eggenberger Gürtel niedersetzten, stürzten die Polizisten sich ohne eine einzige Vorwarnung auf die Leute und zerrten sie innerhalb kürzester Zeit von der Kreuzung, z. T. wurden sie dabei an den Haaren und am Hals von der Straße gezogen!!! Erst jetzt erklärte die Polizei über Lautsprecher die Versammlung für aufgelöst und kesselte die Demonstration vollständig ein.
Nach einem weiteren Versuch, einen Fahrstreifen zu blockieren, kam von der
Einssatzleitung die Anweisung: "Die Rädelsführer festnehmen!" samt
den
entsprechenden Namen von AktivistInnen. Der berüchtigt übereifrige
Kommandant der Sondereinheit "Taurus" mit der Dienstnummer 494
bestellte
gleich den Arrestantenwagen und ließ den ersten Demonstranten verhaften (ein
17jähriger Schüler, der vom Befehl eigentlich gar nicht mitgemeint war,
entging der Festnahme nur durch die geistesgegenwärtige Reaktion der
Umstehenden).
"...wenn ich Dich allein in einer Gasse treffe, dann: Kopfschuss!"
Mitten in diesen Amtshandlungen gelang es zum Glück dem LKW von Checkpoint
Graz, mit Musik und einer lautstarken Begrüßung auf die Kreuzung zu fahren
und für kurzfristige Verwirrung unter der Polizei zu sorgen. Die zweite
angeordnete Verhaftung von "Rädelsführern" wurde buchstäblich auf
halber
Strecke abgebrochen, da die Polizei nun vollauf mit dem Lastwagen
beschäftigt war. Der Einsatzleiter nahm dem Fahrer Schlüssel und Papiere ab
und kündigte ihm eine Anzeige an. Staatspolizisten stürmten auf die
Ladefläche und drehten den Strom ab, dabei bedrohte ein Beamter in Zivil
einen Aktivisten, der schützend vor der Musikanlage stand, mit den
unglaublichen Worten: "Pass auf, wenn ich Dich allein in einer Gasse
treffe,
dann: Kopfschuss!" (Foto dieses Beamten unter www.blubb.at/mayday
).
Gewaltsam
drängte und stieß die Polizei die wenigen DemonstrantInnen, denen es
gelungen war, den Kessel zu verlassen und sich vor den LKW zu stellen,
wieder hinter die Absperrung, der schon erwähnte übereifrige Beamte 494
zerrte dabei versehentlich sogar einen Kollegen in Zivil ziemlich grob vom
Wagen, der sich erst mit einem verzweifelten "Ich bin ja ein Kollege!"
legitimieren konnte.
Der Einsatzleiter Dr. Lecker sprach laufend Anzeigen
und Festnahmen aus, wobei unklar blieb, weshalb und gegen wen genau, mit
mehreren Anzeigen nach dem Versammlungsgesetz und der Straßenverkehrsordnung
ist jedenfalls zu rechnen. Es kam wiederholt zu gewaltsamen Übergriffen
seitens seiner Beamten, bis die den LKW schließlich aus dem Kreuzungsbereich
geschoben hatten.
Checkpoint in Polizeikessel
Die Demonstration zog am Gürtel entlang weiter, von einem dichten Polizeikordon auf dem Gehsteig zusammengedrängt, der den Verkehr nachhaltig "hemmend" beeinflusste. Während dieses Zugs hielten die Polizisten immer wieder grundlos Leute an und sprachen Anzeigen aus, weil sie versehentlich auf die Straße getreten waren.
Nach dem genehmigten Checkpoint in der
Lazarettgasse/ Elisabethinergasse verhinderte das massive Polizeiaufgebot
eine Spontandemo auf der ohnehin abgesperrten Rösslmühlgasse, nicht
verhindern konnte es aber eine Sitzblockade am Griesplatz. Die Durchsagen
der Polizei gingen zunächst im Lied der DemonstrantInnen unter, erst als
nach einiger Zeit eine Sondereinheit mit Schlagstöcken auf die Gruppe
zumarschierte, wurde die Blockade unter den spöttischen Bemerkungen der
Staatspolizisten ("Mutig seids!" Zitat von Oberst Wernegger)
abgebrochen.
Trotzdem zeigte die Polizei wieder mal zwei Leute an Ort und Stelle an, alle
anderen TeilnehmerInnen werde man später anhand des Filmmaterials
identifizieren und anzeigen, so die leitenden Beamten.
Beim nächsten
genehmigten Checkpoint am Radetzkyspitz mussten die DemonstrantInnen die
Kreuzung selbst absperren, nachdem die Polizei unverdrossen Autos und Busse
durchwinkte, wobei es zu extrem gefährlichen Situationen kam. Die Beamten
zerstörten sogar Absperrungen, die die AktivistInnen zu ihrer eigenen
Sicherheit errichtet hatten.
Dafür waren sie umso schneller und durchsetzungsfreudiger, als sie eine weitere Sitzblockade am Andreas-Hofer-Platz auflösten.
Zum Abschluss in der Herrengasse hatte die Polizei sogar Tretgitter aufgestellt, um die Innenstadt vor unserer Demonstration abzuschirmen.
Polizei verharmlost Einsatz für die Presse
Gegenüber der Presse verharmloste der Einsatzleiter das Vorgehen der
Exekutive: Lediglich 50 Beamte seien im Einsatz gewesen, es habe kleinere
"Scharmützel" und keine Festnahmen gegeben... Dem widersprechen wir
auf das
Entschiedenste: Jeder Filmbericht beweist, welches massive Polizeiaufgebot
für diesen Tag mobilisiert wurde.
Obwohl sich sämtliche DemonstrantInnen
absolut friedlich verhielten - es gab keine Aggressionen unsererseits, auch
keine verbalen -, reagierte die Polizei mit Anzeigen, Festnahmen (noch dazu
auf fragwürdiger Grundlage wie "Rädelsführer"),und einer
gewaltsamen Räumung
ohne jede Vorwarnung. Ein Polizist bedrohte einen Aktivisten mit dem Tod
(was soll die Drohung mit dem Todesschuss sonst sein?). Checkpoint Austria in
Graz.
Mayday 2000 Graz
http://home.pages.at/mayday
Report
from Graz - English summary:
5.12.2000 Checkpoint Graz: protest and repression
- 8 out of 10 protests forbid
- massive police detachment against non-violent blockade efforts
- threats: "Watch out, if I meet you alone in the street, you'll have a
bullet in your head!"
- protesters taken in by police, several charges
- before that: police "visits" in student dorms
Authorities in Graz have done everything in their hands to prevent Checkpoint
Austria - the blockade of roads
all over the country against the passing of the federal budget.
Most protests, that is eight out of ten, have been prohibited, police was not
prepared to envolve in any negotiations, only two blockades were allowed to be
carried out.
In order to threaten the organizers, mostly students at the local university,
state police showed up before the
protests in the private homes of the activists and their families. Even in the
university area police stopped people who were putting up posters and threatened
to charge them for the alleged damage done. Via the press, heavy action was
announced if the Checkpoints were to be carried out as planned, and
unfortunately implemented by eviction, taking in of activists, and charges.
Despite the prohibitions and threats, about 100 people gathered on Europaplatz
at 6 a.m. in order to block the junction as a means of protest against cuts in
the social and education systems. They were met by at least 100 to 150 police
men. When they sat down on the ground, they were brutally removed without prior
warning.
During the police action, a van of Checkpoint Graz was able to get on the
junction and to confuse the police so much that they were unable to take in the
organizers as they had announced. The music equippment it carried was turned
down, keys and ID were taken away from the lorry driver, who was threatened with
a charge.
One plain cloth police man threatened an activist with the words: "Watch
out, if I meet you alone in the street, you'll have a bullet in your head!"
´(pics: www.blubb.at/mayday ).
Even one plain cloth policeman was attacked before he could justify himself with
the words: "But I am a collugue!" Charges and arrests were
continuously announced by the police man in charge, Dr. Lecker, but it remained
unclear who and what excactly was meant - several charges are to be anticipated.
The activists who continued their protest rally, were pushed together on the
sidewalk and charged for accidentally stepping down on the road.
After the permitted Checkpoint at Lazarettgasse / Elisabethinergasse, massive
police detachment was able to prevent a spontanuous rally in Rösslmühlgasse,
but not a sit-in on Griesplatz. When a specail unit approached the singing
activists with batons, the blockade was interrupted.On the other permitted
checkpoint on Radetzkyspitz, protesters even had to block the junction
themselves due to ignorant and counter-productive police actions. Another sit-in
was removed on Andreas-Hofer-Platz.
Vis-a-vis the press, police action was played down. As opposed to police reports,
who claim that only 50 police men were involved and that there were no charges,
the organizers claim to have film coverage that gives evidence to their version.
Mayday 2000 Graz - http://home.pages.at/mayday
Sommario
Italiano:
Il maggiorparte delle manifestazioni del "Checkpoint
Austria" a Graz - un' azione
con blocci di strade in tutto il paese, protestando contro il bilancio attuale
dello stato - sono stati divietati.
Gli organizzatori reportano che la polizia abbia proferito minacce contro gli
organizzatori e participanti, e che
alcuni attivisti siano stati denunciati e arrestati.
Mayday 2000 Graz - http://home.pages.at/mayday
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